Costa Ricas Schätze- Wälder

Seit einiger Zeit haben sich die Schwerpunkte in Timms Weltbild ein wenig verschoben. Es ist nicht immer leicht, damit umzugehen. Eines seiner neueren Mottos ist“ happy wife, happy life“ und ihm liegt wirklich viel daran, dieses Motto umzusetzen. „Was möchtest Du heute machen? Was möchtest Du heute essen? Wie geht es Dir? Kann ich etwas für Dich tun?“ Phasenweise bestürmt er mich geradezu mit diesen Fragen, auf die ich, lange nicht nach meinen Wünschen gefragt, oft nur eine schnelle Antwort hab: Grün! Grün, das ist für mich der Ausdruck für alles, was ich liebe. Wälder, gesundes Gemüse, Natur und Ruhe, wenn es „grün“ ist, bin ich ausgeglichen und entspannt. Wenn ich grün esse, geht es mir gut, wenn ich draußen in der Natur sein kann, umgeben von üppigem Grün, dann bin ich glücklich. Ganz sicher bin ich mir, dass der Überfluss an Grün in allen Schattierungen ein Grund dafür ist, dass Costa Ricaner zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen.

IMG_1485

Das Nebelwaldreservat Monteverde 72 km nordwestlich von San José in der Cordillera de Tilarán ist ein Ort, an dem grün für mich eine völlig neue Dimension bekommt. Das 5.000 Hektar große Gebiet mit immgergünen tropischen Wolkenwäldern wurde ursprünglich von einer Gruppe von US-amerikanischen Quäkern erworben, die dort 1951 eingewandert waren. Sie wollten sich hier niederlassen, um so eine Teilnahme am Koreakrieg zu vermeiden, da sie gemäß ihren Glaubensgrundsätzen jeden Kriegsdienst ablehnen. Durch Spenden und weiteres Zuführen von Land der Quäker-Gemeinde konnte das Reservat kontinuierlich erweitert werden. Heute gehört die Monteverde Region zu den bekanntesten Naturschutzgebieten der Tropen der neuen Welt. Es konnten bisher 400 verschiedene Vogelarten, 490 Schmetterlingsarten und 100 verschiedene und zum Teil vom Aussterben bedrohte Säugetierarten identifiziert werden die Bäume und andere Pflanzen sind in großen Teilen von Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) bewachsen.

IMG_2008

Wir sind fast die einzigen Gäste, als wir auf dem Rückweg vom El Arenal Vulkan hierherkommen. In Sturzbächen rauscht der Regen durch das dichte Blätterdach und nach einer halben Stunde ist Timm bis auf die Haut durchnässt, unsere Füße machen schmatzende Geräusche in den Blundstone Boots, in der Kapuze von Carls Regenjacke sammelt sich literweise Wasser. Uns stört das nicht, das Tropfen, der rauschende Regen verstärken vielmehr den Eindruck, sich in einer anderen Welt und anderen Zeit zu befinden. Eine Welt, in der die Dschungelpflanzen übereinander krabbeln, die nur Stück für Stück unfreiwillig ihre Bewohner preisgibt. Von den über 500 Orchideenarten, die hier wachsen, waren 34 bis zu ihrer Entdeckung in dem Reservat unbekannt, 10 Prozent der Pflanzenarten finden sich ausschließlich in diesem Gebiet. Und auch heute werden immer wieder neue Arten entdeckt, andere verschwinden auf unerklärliche Weise. Ende der achtziger Jahre starb aus ungeklärten Gründen die nur hier vorkommende Goldkröte aus. Von einigen hier lebenden Tieren haben wir noch nie gehört, wie z. B. dem Laucharassari und dem Urutau-Tagschläfer, andere tragen so poetische Namen wie Elfenbeinsittich und Veilchenkolibri. Meine Pflanzenerkennungsapp läuft trotz des kalten Regens heiß, immer mehr unbekannte Pflanzen krabbeln aus dem dichten Grün und ich gebe es irgendwann auf mir die Namen merken zu wollen.

IMG_1993IMG_1992IMG_1972IMG_1968

Der Nationalpark Carara (carara bedeutet in der Sprache der Huetar-Indianer Krokodil) liegt an der Küstenstraße Costanera Sur an der Pazifikküste von Costa Rica. Er wurde 1978 zum Biologischen Reservat Carara und 1998 zum Nationalpark erklärt. An ihm kommen wir jedes Mal vorbei wenn wir zu unserem Lieblingssstrand Herradura fahren. Fast jedes Mal steigen wir an der Brücke über den Rio Tárcoles aus, unter der sich unzählige riesenhafte 6m Krokodile auf den Sandbänken sonnen. An der Küste Costa Ricas sind nicht Haiangriffe die Hauptsorge, sonder hier knabbern Krokodile an den Extremitäten unvorsichtiger Surfer. Besonders an Flußmündungen muss man aufpassen.

IMG_4340

Der Carara gehört nicht zu den offiziellen „Must See Parks“ Costa Ricas, aber gerade das macht ihn für uns so besonders. Fast jedes Mal sind wir allein, wenn wir durch den dichten Regenwald wandern, sehen Rote Aras, deren Hauptnistplatz der Park ist. Auch nach mehreren Monaten sind das Blättergewusel, die Lianengewürgten Baumriesen, die Pilze, Flechten, die Gerüche nach feuchter Erde und Blüten , die Insekten und Frösche, das Gezirpe und Gezwitscher, das Plätschern und Tröpfeln ein Abenteuer. Jeder Spaziergang durch den Wald ist anders, immer entdecken wir Neues, staunen, fühlen uns wie Entdecker auf den Spuren von Tieren, die so geheimnisvolle Namen tragen wie Aguti, Ozelot, Trogon, Motmot und Tukan.

IMG_3627IMG_3611IMG_5339IMG_5332IMG_5256

Das Aushängeschild aller Nationalparks Costa Ricas ist der Manuel Antonio Nationalpark. Er ist mit nur 7 km Quadratkilometern der kleinste, leider aber auch der überlaufenste Nationalpark Costa Ricas. Ihm scheint das nicht zu gefallen, uns gegenüber gibt er sich äußerst wehrhaft. Aus hoher Höhe knallt uns eine Kokosnuss auf die Motorhaube und hinterlässt eine tiefe Mulde. Paula kackt ein immerhin sehr seltenes Totenkopfäffchen auf den Kopf, was deutlich schlimmer stinkt als diese kleinen Tierchen vermuten lassen. Kapuzineraffen machen sich an unseren Rucksäcken zu schaffen, rauben unsere Kekse, blicken spöttisch mit schokoladenverschmierten Gesichtern zu uns herab.

IMG_6439

An den watteweißen Stränden wachsen giftige Manzanilla Bäume, angeblich verstecken sich Stachelrochen im ufernahen Sand. Nahezu alle Reptilien der Costa-Rica-Pazifikküste sind dort anzutreffen, verschonen uns aber glücklicherweise. Die Schönheit des Parkes, die Ausblicke auf die vorgelagerten Inseln, der Strand und nicht zuletzt die vielen Tiere, die wir hier aus nächster Nähe beobachten können, versöhnen uns mit der Besucherdichte und dem Tourismuszirkus der näheren Umgebung. Manchmal, das stellen wir hier fest, da ist Schönheit in einer solchen Fülle vorhanden, dass man sie mit Hunderten teilen kann, ohne das sie ihren Zauber verliert.

P1040670P1040567IMG_6472IMG_6499IMG_6445P1040651IMG_6474IMG_6453IMG_6497IMG_6493IMG_6447IMG_6373IMG_6437IMG_6349IMG_6344IMG_6053

 

Costa Rica

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

  1. Die Bilder, paradiesische Natur, so sie geschützt bleibt, Welch ein Reichtum. Ein Glück mit glücklichen Menschen zu teilen. Aber nur wer Unglück kennt, wird das Glück schätzen.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Halls Aboard - Sailing Kathryn del Fuego

Our story sailing as a family round the world

Direction North

Our journey from Cape Town to Kiel

%d Bloggern gefällt das: