Das Auto

Wenn man mit vier Kindern reist, braucht man viel Platz. Als wir vor fünf Jahren durch Afrika gereist sind, haben wir dieses Platzproblem mit einem Offroadanhänger gelöst, in dem viel Platz für Werkzeuge, Küchenkram und Ausrüstung war. Geschlafen haben wir zusammengekuschelt in einem 2.00x 2.20 Dachzelt.IMGP3710.jpg

Für Afrika hat das super funktioniert, da die Klimazonen sich höchstens von nass zu trocken unterscheiden, es nie wirklich kalt wird. Jetzt, auf unserer Reise durch die Amerikas werden wir Klimazonen von arschkalt bis bullenheiss durchfahren. Die Kinder sind so groß geworden, daß wir auf gar keinen Fall mehr zu sechst in ein Dachzelt passen. Da sie nun alle schulpflichtig sind, werden wir jeden Morgen ein paar Stunden für das Homeschooling einplanen müssen, für das wir bei jedem Kind einen bequemen trockenen Innenplatz brauchen. Lange haben wir uns den Kopf darüber zerbrochen wie unser perfektestes Reisegefährt aussehen muss. Wir haben jedes Familienmitglied eine Liste mit Prioritäten und Wünschen schreiben lassen. Für Timm war wichtig, dass das Fahrzeug geländegängig ist, dass es wenig aufwändige Technik enthält, die er dann nicht hätte reparieren können. Für Michaela war wichtig, im Trockenen kochen und unterrichten zu können, sowie im Notfall ohne viel Packen zu müssen jederzeit aufbrechen zu können. Lottas Prioritäten waren ein eigenes Bett und Privatsphäre, Paula wollte unbedingt eine Dachbank und ein verrücktes Auto, die Jungs dicke Reifen und ein Klo, sowie einen eigenen Sitz in der Fahrerkabine.

Nach zwei Jahren Nachdenken, einem Fehlkauf und viel Suchen entdeckten wir „Roger“ im Internet. Er gehörte einem Holländer namens Roger, der ihn wiederum von einem französischen Professor gekauft hatte, der ihn sich vor 30 Jahren für eine Saharaexpedition hatte bauen lassen. Ursprünglich war Rogers Fahrgestell für die französische Bergwacht gebaut worden, um im Gebirge Brände zu löschen. Ob der Professor jemals in der Sahara war, wissen wir nicht, der holländische Roger allerdings hatte ihn viele Jahre ungenutzt stehen lassen. Mit ein paar Veränderungen im Innenraum und ein paar technischen Erneuerungen wäre Roger in wenigen Monaten fertig für unseren Aufbruch- dachten wir.

 

Auf unserer ersten Fahrt Pfingsten 2017 mussten wir feststellen, dass der Wohnkoffer ein paar Stellen aufwies, die feucht waren und die wir erneuern mussten. Aus ein paar Stellen wurden bei genauerer Betrachtung der ganze Wohnkoffer. Schweren Herzens trennten wir uns von allem, was nicht zum eigentlichen LKW gehörte. Im ersten Moment ein herber Rückschlag, gab uns dies jedoch die Möglichkeit, den Lkw unseren Bedürfnissen anzupassen einmal komplett zu überholen und ihn somit für die nächsten 30 Jahre zu wappnen.

Motor und Fahrwerk wurden technisch überholt, um den neuen Wohnkoffer etwas grösser bauen zu können wurde der Radstand um 60cm verlängert. Die vorhandenen Wasser und Dieseltanks wurden ausgebessert und konnten wieder verwendet werden. Die Auspuffanlange haben wir erneuert und in ihrem Verlauf so verändert, dass sie die maximalen Koffermaße ermöglichte. Roger wurde umlackiert und in der Fahrerkabine wurde in zweiter Reihe eine weitere Sitzbank eingebaut.

Beim Bau des Wohnkoffers war es Timm wichtig, Materialien zu verbauen, mit denen er gut arbeiten kann und so haben wir entschieden anstelle des ursprünglichen GFK Koffers eine Konstruktion aus Siebdruck Fahrzeugbau Platten zu wählen. In Verbindung mit den richtigen Alueckprofilen  und großformatigen Platten (5,50x 2,70) konnte so die Außenkonstruktion schnell errichtet werden. Innenliegend wurde eine Dämmung und Dampfsperre aufgebracht, die Innenwände mit Holz verkleidet.

Um den vorhandenen Platz zu maximieren, entwarf Timm einen aufschiebbaren Wohn-und Essbereich.

IMG_5125

Wie auch in Afrika sollte uns wieder ein Quad als Notfallfahrzeug begleiten. Platz hierfür fanden wir unterhalb des Elternbettes und bauten eine Schwerlastschublade in dem das Quad ausgefahren werden kann. Auf technisches Schischi haben wir so weit es geht verzichtet, geheizt wird mit einem Holzkamin, gekühlt mit Ventilatoren. Den Innen Ausbau haben wir dem eines Segelschiffes nachempfunden, so hat jedes Kind eine eigene Koje, das Bad ist mit Dusche, Keramikwaschbecken und Pumptoilette ausgestattet. Um nicht zu viel Frischwasser zu verbrauchen wird das Abwasch und -Duschwasser in einen Grauwassertank geleitet und für die Klospülung recycelt. Jeder Zentimeter des vorhandenen Raumes wurde genutzt, und da wir Wert auf Stabilität und möglichst wenig Kunsstoffmaterial legen, haben wir hauptsächlich Materialien aus dem Schiffsbedarf verbaut. Wir kochen auf einem Gasherd mit Backofen, unser Kühlschrank und eine Miniwaschmaschine (die nur mit externem Generator läuft) stammen ebenfalls aus dem Bootszubehör. Sogar für einen Büroplatz für Timm konnten wir Platz finden und rüsteten einen alten Tripptrappstuhl so um, dass er maximal bequem ist und minimal Platz braucht.

 

Wir lieben es allein in der Natur zu sein, so ist es uns wichtig auch über mehrere Tage fern der Zivilisation autark sein zu können. Strom beziehen wir über 3 Solarplatten auf dem Dach unser Dieseltank fasst 750l und der Wassertank 700l.

Der Lieblingsplatz in unserem Afrikaauto war unsere Dachbank, die auch dieses Mal bei Roger nicht fehlen durfte. Timm ersteigerte eine alte Autorückbank inclusive Anschnallgurten, die wir auf dem Dachgepäckträger montierten. Für maximale Sicherheit wurde ein Geländer, sowie Abweiser für Zweige angeschweisst, rechts und links am Geländer, sowie vorn und hinten Kameras installiert, um das Navigieren zu erleichtern.

Nach 9 Monaten harter Arbeit, nach vielen Planungen und der Hilfe zahlreicher Freunde die alle ihre besonderen Fähigkeiten, ihr Wissen und vor allem Ihre Zeit investiert haben, ist „Roger der Reisepanzer“ nun endlich fertig- viel grossartiger als wir ihn uns jemals hätten erträumen können. Niemals hätten wir das allein geschafft, darum möchten wir hier die Möglichkeit nutzen, allen zu danken, die Roger zu dem gemacht haben was er heute ist:

Sebastian, unserem Meistertischler, der acht Monate lang den Koffer ausgebaut hat.

Gregor, unser Mc Gyver für alles, insbesondere Schlosser- und Schweißerarbeiten.

Jan, der durch Handauflegen Motoren neues Leben einhaucht.

Carsten, der geduldig die gesamte Auto- und Kofferelektronik eingebaut hat.

Alex, der genauste Maler unter der Sonne.

Burchard für die Hilfsbereitschaft

Herr Fischer von der Firma „Rustic Cab“ , der uns bei der Planung und Materialbeschaffung unterstützt hat.

Meister Henning und seine Crew von der Firma „Raiffeisen Technik Ostküste GmbH“, die uns bei vielen technischen Fragen geholfen haben