San Blas Islands- Kuna Yala

Als Janoschs kleiner Tiger eine Bananenkiste mit dem Aufdruck Panama findet, beschließt er, dass Panama das Land seiner Träume sein muss, weil es dort überall nach Bananen riecht. Dort aber, wo Panama am allerschönsten ist, da riecht es nicht nach Bananen, sondern nach salziger Meeresluft, nach geräuchertem Fisch und Kokosnuss.

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Insel San Blas

An der Nordwestküste Panamas in der Karibik liegt das Archipel San Blas, eine Kette aus 378 Inseln, die sich über 180 km bis nach Kolumbien erstrecken. Kuna Yala, wie der heutige offizielle Name der San Blas Inseln lautet, bedeutet übersetzt: Land der Kuna. Die Kuna Indianer verwalten dieses, sich über 2.300 km² erstreckende Gebiet seit 1925 autonom, bewohnen knapp 50 der 378 Inseln, alle anderen sind unbewohnt. 300.000 Kuna Indianer leben heute vor allem in Panama, Costa Rica und Kolumbien, über 30.000 von ihnen in Kuna Yala. Anders als auf vielen anderen Karibikinseln findet man im Kuna Yala Archipel nicht die Spur von Massentourismus. Die wenigen einfachen Herbergen, Restaurants oder Bars werden ausschließlich von Kunaindianern geführt, westlichen Komfort sucht man hier vergeblich. Geschlafen wird in Hängematten, gegessen wird das, was das Meer und die Inseln hergeben: vor allem Kokosnüsse und Fisch. Die Kuna sind ein stolzes Volk, pflegen ihre eigenen Regeln, Gesetze und Gebräuche. Sie sind sanfte und freundliche Menschen, achten aber darauf, dass Touristen ihre Regeln nicht brechen. So ist es in Kuna Yala verboten, ohne zu fragen eine Kokosnuss zu nehmen oder Fische zu fangen. Beachtet man dieses Verbot nicht, drohen saftige Strafen. Gut, wenn man jemanden dabei hat, der sich mit den Gesetzten der Kuna auskennt. In unserem Fall ist das Kapitän Michel. Er wird uns und acht weitere Backpacker in den nächsten 5 Tagen auf dem Katamaran Santana von Panama nach Kolumbien segeln.

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Hütten der Kuna in  Kuna Yala

Als am Nachmittag um 17 Uhr einer nach dem anderen im verabredeten Restaurant „Casa X“ im wenig hübschen Puerto Lindo eintrudelt, bin ich nervös. Allein die Taxifahrt hierher hat meinen Magen ziemlich strapaziert. Zu viert auf der Rückbank, zu zweit auf dem Beifahrersitz in einem kaum fahrtüchtigen Taxi, enge Kurven, bergauf und bergab, immer wieder fielen dem Taxifahrer die Augen zu, weil er bereits seit 10 Stunden am Lenkrad saß. Timm hatte diese Fahrt schon vor mehreren Tagen mit ihm verabredet, weil er Mitleid mit dem armen Mann hatte, der so dringend die Stoßdämpfer seines Taxis reparieren musste. Vor jedem Hubbel bremste er uns in den Stand, um vorsichtig über das Hindernis zu fahren, und dann in Sekunden wieder auf 80 km/h zu beschleunigen. Diese Fahrt, welche ihm ein kleines Vermögen einbrachte, soll in Zukunft diesen unhaltbaren Zustand ändern.

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das nicht schöne Playa Linda

Nach dem Abendessen im „Casa X“ werden wir vom Eigner des Bootes in die Marina von Puerto Lindo gefahren, beziehen unser Quartier auf der Santana. Während sechs der Backpacker in kleinen Kabinen in den Kufen des Katamarans einziehen, hat Michel für uns und die Kinder Betten im Gemeinschaftsraum reserviert. Zunächst fühle ich mich ein wenig auf dem Präsentierteller, da Timm’s und mein Bett sich zwischen dem Esstisch und dem Steuer des Schiffes befindet, wir eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit unter Beobachtung stehen. Spätestens aber, als wir uns ein paar Stunden später auf dem offenen Meer befinden, der Katamaran sich durch 3m hohe Wellen kämpft, bin ich heilfroh um diesen Platz. Es sind die letzten Ausläufer eines Unwetters, das hier die letzte Woche getobt hat und uns nun quält: Paula und ich kotzen uns die Seele aus dem Leib. Irgendwann wird es auch Timm zu viel und er hängt über der Reling. Als ich es nicht mehr schaffe, rechtzeitig an Deck zu kommen, nimmt Michel, später auch der Koch Francisco meine und Paulas vollgekotzten Papiertüten an, um sie über Bord zu werfen. Es fällt mir am nächsten Morgen etwas schwer, den beiden unter die Augen zu treten und ein wenig beschämt schrubbe ich unsere nächtlichen Eskapaden vom Deck.

Kurze Zeit später erreichen wir Kuna Yala. Während Michel mit unseren Pässen an Land zum Zoll fährt, um uns offiziell in Panama aus zu stempeln und die Kuna Steuer von 20 $US zu entrichten, frühstücken wir anderen, bzw. die anderen. Ich hänge noch ein bisschen in den Seilen. Der Himmel ist bedeckt, die Sonne kommt nicht durch- weder am Himmel, noch in meinem Kopf. Ich brauche den ganzen Tag, um mich von der schlaflosen, schaukeligen Nacht zu erholen. Die Backpacker die mit uns reisen sind ein bunter Haufen lustiger Menschen und schon in den ersten Stunden wissen wir, dass wir mit dieser Gruppe eine gute Zeit verbringen werden. Besonders die Kinder schließen schnell Freundschaft und nach kurzer Zeit folgt Max Cedric, einem Deutsch- und Französischlehrer aus Belgien auf Schritt und Tritt.

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Fischerhütte

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Esssenszeit

Den Tag verbringen wir vor Anker, schwimmen vom Boot auf eine Mini-Insel, wo wir im Schatten der Kokospalmen die Reste der Nacht verdauen, Volleyball spielen, lesen und einander kennenlernen. Das Meer ist spiegelglatt, und so klar, dass wir die Zeichnung der Rochen erkennen können, welche die Santana umkreisen. Der Koch Francisco zaubert uns phantastisches Essen und zu den Klängen seiner Gitarre und dem sanften Schaukeln des Katamarans schlafen wir am Abend zufrieden ein.

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Die nächsten Tage wechseln wir jeden Morgen unseren Ankerplatz, bleiben dann den Tag über zwischen traumhaften Inseln vor Anker, schwimmen schnorcheln, statten den Kuna Indianern die auf den Inseln wohnen einen Besuch ab. Sie empfangen uns als ihre Gäste, Michel handelt mit Ihnen einen Preis aus, für den sie uns ihre Küchenstelle für ein BBQ nutzen lassen, uns am Abend ein Lagerfeuer bereiten und Cocos Locos servieren. Coco Loco, das ist eine frische Kokosnuss, die mit einem Loch versehen wird durch das deren Kokoswasser mit Rum „veredelt“ wird. Die letzte Woche war diese Insel überflutet, es war den Indianern nicht möglich, fischen zu gehen oder Boote vom Festland zu empfangen. In solchen Zeiten, so Michel, hungern die Kuna. Umso froher sind sie über den Reis und Kaffee, den Michel Ihnen mitgebracht hat. Alles außer Fisch und Kokosnüsse beziehen sie vom Festland, selbst Frischwasser, da die Quelle auf Ihrer Insel nur Brackwasser führt. Wir wandern über die Insel, besuchen die Großmütter, die vor ihrer Hütte Kuna- Kunsthandwerk verkaufen. Neben Perlenketten, die kunstvoll um Fuß-und Handgelenke geknüpft werden, verkaufen die Frauen vor allem Molas. Die Frauen der Kuna Indianer  tragen diese kunstvollen Muster als Stickereien auf ihren Blusen, an Touristen werden sie jedoch nur als bestickte Stoffe verkauft, weil die Kuna nicht möchten, dass Fremde ihre traditionelle Kleidung tragen. Die Muster, die auf den Molas dargestellt werden, gelten als das geistige Eigentum der Kuna. Niemand, der nicht selbst ein Kuna ist, darf diese Stickereien anfertigen und verkaufen. Der Handel wir streng kontrolliert und außerhalb der Länder in denen Kuna leben, ist ein Molaerwerb nicht gestattet. Im Mai 2019 erwirkten die Kuna, dass Nike eine Sonderedition des „Air Force 1“ Schuhs noch vor der Markteinführung einstampfen musste, weil ihn Muster aus der Kuna- Tradition zierten. Auch wir erliegen der Schönheit der Stickereien und kaufen den fast hundertjährig wirkenden Damen zwei Molas ab.

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Kuna Frau knüpft traditionellen Knöchelschmuck

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Mola, modern

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traditionelles Mola

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schnorcheln

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Carl und Max mit ihren Kuna Freunden

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„Wald“ auf einer größeren bewohnten Insel

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tropisches Paradies

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Muscheln am Strand

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Hütten der Kuna

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Einbaum der Kuna

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Lagerfeuer am Strand

Den ganzen Vormittag beäugen Carl und Max zwei kleine Jungen, die mit ihrer Familie auf dieser Insel leben. Neugierig streifen sie aneinander vorbei, werfen sich immer wieder scheue Blick zu. Auf meine Frage, ob sie nicht mal Hallo sagen wollen, entgegnet Max, dass er seine ganz eigene Strategie verfolgt. „Wenn man mit jemandem spielen möchte“, so seine Erkenntnis, „muss man immer vor dessen Nase herumlaufen und so tun, als hätte man was ganz Wichtiges zu tun“. Dunkel erinnert mich das an Timm’s frühen Eroberungsversuche und genau wie die irgendwann zum Erfolg geführt haben, springen auch unsere Jungs kurze Zeit später fröhlich mit den Kunajungs im strahleblauen Wasser herum, spielen mit dem Einbaum, kicken fröhlich einen Fußball. Einer der kleinen Jungs trägt ein Bayern-München Trikot- ohne jedoch zu wissen, was das bedeutet. Am Abend schenken sie den Jungen Kokosnüsse am Lagerfeuer, tanzen mit uns klettern auf die Spitze unserer Menschenpyramiden. Es ist eine wundervolle Begegnung und wir freuen uns darüber, wie offen die Kinder geworden sind, wie wenig Zeit sie inzwischen brauchen, um Freundschaften zu schließen. Als wir am nächsten Morgen die Anker lichten, laufen die beiden am Strand ihrer Insel entlang, winken bis wir uns nicht mehr sehen können. 

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Santana vor Anker

Auch diese leider letzte Inselgruppe bevor wir die große 36 Stunden Überfahrt nach Kolumbien antreten, ist das reinste Paradies. Unsere Ankerstelle liegt geschützt zwischen 3 unbewohnten Inseln. Wir erschwimmen alle drei, zwischen uns Rochen und ein Ammenhai. Zwei Kuna kommen mit dem Einbaum zu uns gerudert, verkaufen Hummer, den Francisco zum Abendessen vorbereitet. Als wir bei Sonnenuntergang die Anker lichten, sind wir alle traurig, dieses Paradies verlassen zu müssen und ein wenig angespannt, die nächsten 36 Stunden kein Land mehr zu sehen. Um nicht wieder über der Reling zu hängen, nehmen wir dieses Mal alle Medikamente, die uns so träge machen, dass wir die nächsten eineinhalb Tage im Dämmerzustand verbringen. Überall auf dem Katamaran verteilt liegen wir schlafend, lesend, dösend, beobachten die fliegenden Fische, die in ganzen Schwärmen vor uns flüchten, kolibrigleich bis zu 50m über die Wasseroberfläche schwirren. Auf dem Weg ins offene Meer begleitet uns eine Delphinfamilie, springt vor dem Katamaran aus dem Wasser. Wir alle liegen bäuchlings auf dem Vorderdeck und genießen das Schauspiel.

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Delphine begleiten uns

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Delphinbeobachtung

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Sonnenuntergang auf der Santana

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Fischer in Kuna Yala

 

Dieses Mal muss niemand spucken, so ganz wohl aber fühlt sich auch kaum jemand, obwohl es laut Michel die entspannteste und ruhigste Überfahrt seit langem war. Einen ganzen Tag sehen wir nichts als wogendes Wasser und Wolken, einmal um 15 Uhr ein anderes Segelboot und um 17 Uhr ein Tankschiff in weiter Ferne. Als wir am frühen Morgen der zweiten Nacht auf See am Horizont die Lichter des noch 4 Segelstunden entfernten Cartagenas erblicken, sind wir gleichermaßen froh, dass der Boden unter den Füssen bald nicht mehr schwanken wird und unglücklich über den baldigen Abschied von der Santana, Michel und Francisco, sowie von unseren neuen Freunden. Vor allem aber sind wir unendlich dankbar für dieses wundervolle Erlebnis!

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Fischer verkaufen Hummer

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Santana

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Panama City

Ich hätte nie gedacht, dass uns ein Tankstellencamp wie das Paradies erscheinen würde. Tatsächlich aber sind wir selig, als wir die Dauerbeschallung mit lateinamerikanischen Rhythmen gegen das Röhren von Motorbremsen austauschen können, auf einer der saubersten Tankstellen seit den USA duschen, Wäsche waschen und das WiFi nutzen dürfen. Wir parken im Blick der Sicherheitskamera auf der Rückseite des Tankstellengebäudes unter Flutlicht, schaffen es tatsächlich, die erste Nacht seit Costa Rica ein wenig zu schlafen. Nur widerwillig trennen wir uns nach dem Mittagessen von der Tankstelle, die uns ein bisschen vorhersehbare, geordnete Welt vorgaukelt und machen uns, vollgetankt und frisch gewaschen, auf den Weg nach Panama City.

Anders als in Costa Rica brennen in Panama wieder Müllfeuer am Straßenrand, es riecht nach Abwasser und Plastikrauch, zwischen Take Away Verpackungen und Plastikflaschen rotten die Kadaver überfahrener Tiere. Der Fahrtwind bringt kaum Abkühlung, wir schwitzen und kleben, halten die Luft an, wenn der Geruch von draußen zu schlimm wird. Jetzt in der Trockenzeit haben viele Bäume ihre Blätter verloren, das Gras ist trocken und gelb, die mageren Tiere finden kaum Futter zwischen Plastiktüten am Randstreifen der Straße und irgendwie spiegelt die Kargheit im Außen unsere Stimmung wieder. Es ist nicht einfach, sich wieder an die Enge in Roger zu gewöhnen, wir alle müssen uns zusammenreißen, damit die Stimmung nicht kippt. Trotz der Hitze gelingt es mir einfach nicht, mit Panama warm zu werden.

Als wir im Licht der Nachmittagssonne über die Puente de las Américas über den Kanal fahren, denken wir alle daran, wie es war, vor fast genau einem Jahr über die Golden Gate Bridge nach San Francisco zu rollen. So anders ist der Anblick nicht. Vor uns glitzert die Sonne in der Skyline aus verspiegelten Wolkenkratzern. Vieles hier, das wussten wir bereits, wirkt amerikanisch. Und trotzdem ist es ein kleiner Schock nach all der staubigen Ödnis und dem zentralamerikanischen Gewusel der letzten Tage.

Lange hatten die USA einen gewaltigen Einfluss in Panama, haben überall ihre Spuren hinterlassen. Auch die Brücke über die wir fahren, wurde 1962 von den Amerikanern erbaut, war über 40 Jahre lang die einzige Landverbindung zwischen Nord- und Südamerika.

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Am 3 November 1903 sagte sich Panama mit der Unterstützung der USA von Kolumbien los, und gründete den souveränen Staat Panama. Dies war der Beginn einer Reihe von Eingriffen, der USA in die politischen und wirtschaftlichen Geschicke Panamas. Kolumbien erkannte Panamas Souveränität erst 18 Jahre später an, nachdem die USA ihnen eine Entschädigung von 25Mio US$ zahlte. Die USA hingegen erhielt die Kanalbaurechte des Panama Kanals und die Hoheitsrechte über die Kanalbauzone für alle Zeiten. 1904 Begann man mit den Bauarbeiten des Kanals und nach nur 10 Jahren durchfuhr das erste Schiff das bis dahin größte Bauwunder aller Zeiten. Erste Arbeiten hatten unter französischer Führung schon 1881 begonnen, waren aber nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Nachdem es immer wieder zu Spannungen zwischen Panama und den USA kam, unterzeichnete der US Präsident Carter zusammen mit dem damaligen Präsidenten Panamas Torrijos 1977 den Carter Torrijos Vertrag, der die Übertragung der gesamten Kanalzone von den USA an Panama bis Ende 1999 zusicherte. Heute  sind der Panamakanal und die Registrierung von Schiffen die wichtigsten Einkuftsquellen des Landes. Jedes 5. Schiff der Welt ist aufgrund der unkomplizierten Verfahren in Panama registriert. Die Handelsflotte ist die größte der Welt, wobei sich auch hier ein Großteil der Schiffe in ausländischem Besitz befindet. Zahlreiche Freihandels-und Sonderwirtschaftszonen, geringe Steuren und eines der größten Bankwesen der Welt  machen Panama zu einem äußerst interessanten Firmenstandort und aufgrund dieser Tatsache ist das Land eines der Reichsten in Lateinamerika.

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Mit Hilfe der IOverlanderapp finden wir einen sicheren Stellplatz in einer Sackgasse am Radisson Hotel, mit Blick auf den Panama Kanal.

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Nach einem schnellen Essen machen wir uns auf den Weg, Panama Stadt zu besichtigen. Mit einem Uber fahren wir in Panamas Altstadtkern, den Casco Viejo. 2003 Zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt, sind viele der bis dahin bröckelnden Fassaden aufwendig restauriert worden oder werden gerade renoviert. Überall wird gediggert, gemauert, gepinselt, die Bauschilder verraten eine erstaunlich internationale Beteiligung. Hier wird viel Geld bewegt, und leider, dass ist die Schattenseite der Entwicklung, verdrängt das die ursprünglichen Bewohner des alten Stadtkerns in die Randgebiete. Wir wandern vom Plaza de Independencia, wo Panama 1903 seine Unabhängigkeit von Kolumbien deklarierte zur Iglesia San José, deren gigantischer goldener Altar durch einen Priester von der Plünderung durch Piraten gerettet werden konnte, indem er ihn schwarz anmalte.

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Wir bummeln durch europäisch anmutende, von zuckerbunt bemalten Stuckpalästen gerahmte Straßen und Pflastergassen, entspannen auf Parkbänken unter riesenhaften Bäumen, deren Luftwurzeln wie vergessenes Lametta von den Ästen baumeln.

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Neben uns sitzen drei Männer, ihr graues Haar beschattet von hellen Strohhüten. Gemeinsam lesen sie Zeitung, reichen jede gelesene Seite an den Nachbarn weiter, der letzte in der Reihe stapelt sie dann ordentlich neben sich auf der Bank. Zwischen zwei umgedrehten Colakisten spielen zwei Männer auf einem Klappbrett Schach, eine betrunkene Mulattin streitet mit der Büste eines Freiheitskämpfers, eine dicke Dame schleppt schwer an einer Kühltasche, die, wie sie verkündet, das beste Ceviche Casco Viejos enthält. Amselartige Vögel zwitschern gummientenartig von Baum zu Baum, es riecht nach Abgasen, Urin, Waschmittel und trockenem Laub.

Jenseits der ehrwürdigen Stuckpaläste des Casco Viejo, nur ein paar Minuten entfernt vom Nationaltheater, den Kirchen und Bibliotheken ist nichts mehr von charmant bröckelnder Geschichte zu finden. In der Avenida Central, der Hauptfußgängerzone Panama Cities, springt einem die Gegenwart mit der Eleganz einer abgetakelten Hafenhure ins Gesicht. Ein buntes Gewusel aus einem schaurigen Zuviel von allem: zu viele Menschen, zu laut, zu viele Gerüche vor allem grauenhaften Ursprungs, zu viele Tauben, zu viel Müll und Dreck, zu viel Kram, den niemand kauft, zu viele Menschen, die irgendwie mit Mühe und Not ihr Leben bestreiten müssen. Das dies nicht immer auf ehrliche Weise geschieht, liegt als knistrige Gewitterspannung in der Luft. Wir fühlen uns unwohl, wollen irgendwann nur noch weg, zurück in die geordnete Welt des Altstadtkerns.

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Als wir wenig später statt in der Altstadt auf der Kaimauer sitzen und auf die blau schimmernden Hochhäuser des Bankenviertels blicken, können wir kaum begreifen, dass diese zwei Welten nur 5 Autominuten voneinander entfernt sind.

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So wird es uns oft gehen in den nächsten zwei Tagen, in denen uns die Gegensätze Panama Cities immer wieder erschüttern. Verspiegelte Hochhäuser, neben nur von bröselndem Putz und Farbe zusammengehaltenen Mietshäusern, Luxusyachten, neben rostigen Fischkuttern, Highend Shoppingmalls, neben denen von Abwässern verseuchte Gräben und Flüsschen faulen, palmengesäumte Parks mit brandneuen unbenutzten Fitnessgeräten, Basketballcourts und Tennisplätzen, vollgekackte Rasenflächen, auf denen sich der Unrat stapelt …

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Entlang der Bahía de Panamá erstreckt sich ein wunderbar ausgebauter Fahrrad- und Spazierweg, der außer von uns und ein paar Expatjoggern so gut wie ungenutzt ist. Niemand sitzt auf den zahlreichen schattigen Bänken, die einzigen Einheimischen scheinen die Gärtner zu sein, welche die aufwändigen Blumenbeete wässern und die Hecken schneiden. Mit den Fahrrädern fahren wir auf den mit dem Aushubmaterial des Kanals aufgeschütteten Damm, gucken den Containerschiffen hinterher und fragen uns, warum sich in den siffigen Teilen der Stadt die Menschen stapeln und niemand hier den Sonnenuntergang betrachtet.

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Wir treffen unseren Freund Benjamin, bei dem wir in Nicaragua zu Gast waren und den sein Job zufällig zur gleichen Zeit nach Panamá geführt hat. Wir wollen unser Wiedersehen angemessen feiern, trauen den Bewertungen, welche das angeblich beste Chinarestaurant der Stadt anpreisen und landen in einem sehr zwielichten Etablissement. Während im zweiten Geschoss eine geheime Gesellschaft zu feiern schein, die einen anderen Eingang als wir benutzen, werden wir in einen mit einem Vorhang abgetrennten, von Kameras überwachten Lagerraum gesetzt, in dem sich Servietten, Zutaten und Tischdecken stapeln und vielleicht mehr aus Zufall einige Tische und Stühle stehen. Das Essen ist lausig, meine Wantan schmecken wie mit Pansen gefüllt und als Timm sich auf der Suche nach einer Toilette in die Küche verirrt, stolpert er über eine Wanne voller Schildkröten. Wieder einmal gibt es vor dem Einschlafen homöopathische Kügelchen für alle und ein kleines Stoßgebet gegen Magen Darm Verstimmung.

Am nächsten Tag müssen wir schon um fünf Uhr aufstehen, um den für die Verschiffung erforderlichen Polizeicheck zu erledigen. Die Gegend wirkt wenig vertrauenserregend, in der Sackgasse auf der anderen Seite der Straße schimmert ein Abwassergraben grün, die Bewohner scheinen ihren Müll direkt aus den Fenstern zu entsorgen. An den Wäscheleinen auf den Balkonen trocknen Babywäsche und blendend weiße Hemden. Hier wohnen Menschen, die zur Arbeit gehen, die weiße, gestärkte Hemden tragen, hier leben Babies und Kleinkinder. Das hier ist kein Elendsviertel, in dem Drogenabhängige und Säufer vegetieren, sondern ein Wohnviertel, in dem Mütter ihre Kinder an der Hand zur Schule bringen. Eine Straßenkehrerin fegt mit selbstgebauter Schaufel und einem Besen den Müll von der Straße und ich überlege, ob Straßenkehrer hier aufgrund des unfassbaren Arbeitspensums an Burnout erkranken. Wo anfangen bei all dem Müll? Am besten gar nicht, denkt sich die Straßenkehrerin, setzt sich auf den Bürgersteig und raucht eine Zigarette.

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Als wir endlich das Polizeizertifikat, das bezeugt, dass wir uns in Panama keines Vergehens schuldig gemacht haben, in der Tasche haben, fahren wir so schnell der dichte Stadtverkehr es zulässt nach Colón. Weil zwischen Panama und Kolumbien 100 km Straße  durch den Darrien Gap fehlen, muss jeder Overlander hier sein Gefährt verschiffen. Auch Roger müssen wir für die berühmt berüchtigte Überfahrt präparieren.  Die Überfahrt dauert nur 24 Stunden, die Vorbereitungen sind aber genauso aufwendig wie die für die Verschiffung von Europa nach Kanada, der Preis ist ebenfalls ein Ähnlicher. Anders als die Strecke Liverpool/Halifax allerdings ist die Strecke Colón/Cartagena berüchtigt dafür, dass Autos aufgebrochen und beschädigt werden. Von völlig leer geräumten Wohnmobilen haben wir in diversen Foren gelesen und sind ziemlich nervös. Auf einer Farm etwas außerhalb Colons bereiten wir Roger bis tief in die Nacht vor, verstauen jedes bewegliche Teil im Wohnkoffer, verrammeln die Dachluke, die oft als Einstieg benutzt wird mit unserem Esstisch, und als wir nach Mitternacht fertig sind, kann man sich an der Eingangstür nur wenige Zentimeter um sich selbst drehen.

Nachdem wir Roger am Hafen abgeliefert haben, harren wir die nächsten Tage auf der Gästefarm „La Granja“ aus, warten auf gutes Wetter. Zweimal wird die Abfahrt des Katamarans, der uns nach Panama segeln soll verschoben, auf dem Meer tobt ein Sturm, der Himmel ist grau verhangen. Die Farm allerdings ist der perfekte Ort, um ein paar Tage Zeit totzuschlagen. Die Kinder füttern Kaninchen, Pferde und Schafe, kraulen Schweine, beobachten Schmetterlinge und Wasserbüffel, wir wandern über das weitläufige Gelände, fliegen an der hauseigenen Zipline über das Panamakanaldelta. Doch so groß das Glück, diesen perfekten Ort gefunden zu haben, so ungeduldig sind wir, endlich die nächste Etappe unserer Reise anzutreten und Südamerika zu erobern. Panama, das müssen wir uns eingestehen, fühlt sich für uns an, wie die Anreise, bevor es richtig losgeht.

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Playa Las Lachas

Pünktlich am 10.01, am Tag, an dem unser Costa Rica Visum ausläuft, stehen wir an der Grenze zu Panama, oder zumindest an dem Punkt, an dem wir die Grenze vermuten. Auf unsere Frage, wo sich das Immigrationsgebäude befindet, hat jeder eine andere Antwort. Irgendwann fasst sich ein Parkwächter ein Herz, zeigt uns den Weg und wir überlassen ihm dafür Roger als Mündel. Panama und wir, das ist nicht Liebe auf den ersten Blick. Vielleicht liegt es daran, dass sich alles in uns sträubt, unser geliebtes Costa Rica zu verlassen, vielleicht daran, dass scheinbar auch Panama uns nicht will. Der Grenzübergang ist einer der langwierigsten, unübersichtlichsten und aufreibendsten unserer bisherigen Reise. Wir warten Stunden, werden zwei Mal durchsucht, brauchen ewig, bis wir uns durch das Chaos gewurschtelt haben.

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Panama, das merken wir schon nach wenigen Stunden, ist die weniger hübsche Stiefschwester von Costa Rica. Und weil sie das weiß, ist sie weniger freundlich, gibt sich ein bisschen ruppig, versucht, auf andere Weise auf sich aufmerksam zu machen. Mit Lautstärke zum Beispiel.

Wir gelten als relativ unerschrocken, in Panama allerdings treibt mir eine alltägliche, unscheinbare Handbewegung die Schweißperlen auf die Stirn: das Öffnen eines Kofferraumes. Wir sind aus Costa Rica gewöhnt, dass zu einem vollendeten Wochenende eine Menge Musik gewöhnungsbedürftigen Geschmacks in ebenso gewöhnungsbedürftigen Dezibelwerten zählt. In Panama allerdings wird jene Musik nicht nur in gesundheitskritischen Lautstärken, sondern auch zu äußerst schwierigen Zeiten gespielt, nämlich die ganze Nacht. Ursprung des Nerventerrors sind gigantische Boxen, die meist den ganzen Kofferraum ausfüllen und dazu führen, dass der Rest des Gepäcks abenteuerlich gestapelt auf dem Dach transportiert werden muss, die Oma auf dem Schoß der Schwiegertochter sitzt, die Kinder im Fußraum. Immer wieder kann ich nicht glauben welche Massen an Gepäck und Menschen hier ein Kleinwagen ausspuckt.

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Unser erstes Camp nach dem Grenzübergang schlagen wir an Panamas längstem Sandstrand, dem Playa Las Lachas auf. 12km ununterbrochener, palmengesäumter weißer Sandstrand.

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Es ist Freitag Nachmittag, wir werden, noch bevor wir uns annähernd in dem kleinen Ort orientiert haben, auf eine große Wiese mit Meerblick gelotst. Wir können unser Glück kaum fassen, beschließen, das ganze Wochenende zu bleiben, und zahlen bis Montag früh.

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In Panama, das aufgrund des Panama Kanals zu der am schnellsten wachsenden Wirtschaften Lateinamerikas zählt, ist die offizielle Landeswährung US$, das Preisgefüge ähnelt ebenfalls dem der USA. Und das, obwohl die Einkommensverteilung Panamas eine der ungerechtesten Lateinamerikas ist. Wir schlucken also ein bisschen bei der Campinggebühr für unseren Wiesenstellplatz (ohne Klo und Duschen), beschließen aber, uns einfach über den Strand vor unserem Fenster zu freuen. Am Samstagmorgen sind wir alle früh wach. Lotta und Timm gehen am Strand joggen, ich rolle meine Yogamatte unter einer der schattenspendenden, mit Palmblättern gedeckten Ranchos am Strand aus.

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Endlich wieder Zeit und Ruhe für eine ausgiebige 80 Minuten Sequenz… Bis Minute 35 bin ich glücklich und entspannt, dann spuckt ein Reisebus mit Reifenpanne seine menschliche Ladung am Strand aus und aufgrund Ermangelung anderer Attraktionen setzen sich geschätzte 50 Rentner im Halbkreis um mich, beobachten mich bei meinen Bemühungen, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Bierdosen werden zischend geöffnet, es wird diskutiert, ob das gesund ist, manchmal lacht jemand, ich höre die Auslöser von Handykameras, halte krampfhaft meine Augen geschlossen und konzentriere mich darauf, meinem Fluchtreflex nicht nachzugeben. Ich bin Lichtjahre entfernt von den grazilen Bewegungen der Yogalehrer auf dem Handybildschirm, plumpse immer wieder unelegant aus meiner Verbrezelung. Entspannt bin ich mitnichten, als ich mich nach den 80 Minuten aus einem sehr kurzen Shavasana (der Endentspannung, bei der man mit geschlossenen Augen auf dem Rücken liegt) erhebe, bin aber stolz auf den Triumph über meine Angst, mich öffentlich zum Horst zu machen. Tat gar nicht so weh- „Nolimits!“ wieder ein Stück näher gekommen!

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Die ausgebliebene Entspannung am Morgen macht sich dann am Mittag negativ bemerkbar, als Scharen von Strandbesuchern „unser“ Paradies stürmen. Jeder Kofferraum spielt seine eigene Hymne, allen gemein ist ein wummernder Bass, der unsere Herdabdeckung vibrieren lässt und die Alarmanlagen aller umstehenden Autos auslöst. Niemanden stört das. Ich fühle mich schrecklich deutsch in meiner Wut über die Ruhestörung, kann den Egoismus der Panamesen nicht fassen, ihre Mitmenschen mit von Stadiontröten unterbrochenem Frauengestöhne zu beschallen. So geht das die nächsten 24 Stunden. Wir schlafen nicht, flüchten am Sonntag mit einer ungeheuren Wut im Bauch, finden Panama und die Panamesen insgesamt doof, können uns gegen unser Urteil, Panama nur noch als Durchreiseland zu sehen, nicht mehr wehren. Wir finden keinen Supermarkt, keinen Platz, an dem wir den schulfreien Tag genießen könnten, parken kurz vor Sonnuntergang auf einem kleinen Parkplatz mit Blick auf schlickiges Mangrovenwatt in Salado. Ab und zu weht ein fischiger Geruch von den Salzgewinnungsbecken, die dem Ort ihren Namen gaben durch die offenen Fenster. Es ist unerträglich heiß und stickig, das einzige bisschen Luftbewegung entstammt dem, wie sollte es anders sein, Bass aus Kofferraumboxen eines Autos, das als wir gerade wegschlummern, neben uns parkt und uns mit Musik und Discolicht eine weitere Nacht wach hält. Gerade als wir, gestresst von Hitze, Lautstärke und einem unproduktiven Schulmorgen beschließen, dass Panama auf unserer „doofe- Reiseländer- Liste“ gleich hinter Äthiopien auf Platz zwei stehen soll, klopft zaghaft eine Nachbarin, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt, an Rogers Tür. Ob wir etwas brauchen, ob wir ihre Dusche oder Waschmaschine benutzen möchten, fragt sie. Und woher wir kommen möchte sie wissen. Ein Mann bremst mit seinem Pick-up neben uns, schenkt uns eine Plastiktüte voller Limonen, um Limonade zu machen, ein Rentnerpärchen dass ein paar Hundert Meter die Straße Richtung Süden wohnt, bringt Orangen, sitzt bestimmt eine Stunde mit Timm auf der Bank mit Blick auf die Mangroven und möchte wissen, wie es ist, ein so unstetes Leben zu führen. Wie es die Kinder verdauen, immer wieder an anderen Orten aufzuwachen. „Gut“, entgegnet Timm. „Zumindest wenn sie die Nacht zuvor nicht von wummerden Bässen wach gehalten wurden“. Und zum ersten Mal seit mehr als 24 Stunden können wir wieder herzlich lachen. „In Panama findet man immer einen Grund zu feiern und zu tanzen“, lächelt die Oma und in mir versteckt sich der bis eben mit den „Benimmregeln für ein rücksichtsvolles Miteinander“ wedelnde Anzugträger in der hintersten Reihe und schaut verschämt auf die in vorderer Reihe tanzenden, mit Limonen jonglierenden  Panameños.