In einem Dorf vor unserer Zeit- Bei den Mennoniten

„Entschuldigen Sie bitte, aber haben sie eigentlich nie Bock auf einen Burger?“

Diese und eine Million andere Fragen hätte ich gerne jedes Mal gestellt, wenn ich an den Marktständen der Amischen oder Mennoniten in Kanada, den USA oder Mexiko vorbeigekommen bin. „Ist die Geburt des 10. Kindes genauso faszinierend wie die erste?“, „Ist es nicht wahnsinnig unpraktisch in einem langen Kleid den Garten zu beackern?“ und „Wie besiegen Sie Ihre Neugier auf die Welt da draußen?“

Gefragt habe ich nie. Ich habe nichtmal Smalltalk gehalten, ab und zu gab es ein kleines Lächeln von Frau zu Frau beim Äpfel kaufen und manchmal wurde ich gefragt, woher wir kommen. „Aus Deutschland, so wie viele ihrer Vorfahren“. Wenn ich Glück hatte, gab es dann ein extra Lächeln.

Während der Reformation verfolgt, waren die Mennoniten damals, auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben, im 17 Jahrhundert unter den ersten Auswanderern, die in die neue Welt, zogen von Kanada in die USA, von dort weiter nach Mexiko, Mittel-und Südamerika. Als Namensgeber der Mennoniten gilt der Theologe Menno Simons (1496-1561). Anders als diverse reformierte Kirchen lehnen die Mennoniten die Kindestaufe ab, praktizieren stattdessen die Erwachsenentaufe. Erst durch den bewussten Vollzug dieser wird der Gläubige ein vollwertiges und verantwortliches Mitglied seiner Gemeinde. Mennoniten leben das Prinzip der Gewaltfreiheit, lehnen jegliche Kampfhandlungen ab, verweigern daher den Militärdienst. Kirchliche Hierarchien existieren für sie nicht, sie glauben nicht an das Priesteramt als Vermittler zwischen Gott und der Gemeinde. Niemand innerhalb ihrer Gemeinschaft ist einem anderen übergeordnet und jeder ist gemäß seinen Fähigkeiten zum Dienst am Nächsten verpflichtet. Da ihre pazifistische Grundhaltung es ihnen verbot, für das Vaterland zu kämpfen, weil sie kirchliche Obrigkeiten nicht anerkannten, waren sie seit jeher Außenseiter, sind bis heute auf der Flucht. Wie passen diese, in meinen Augen fortschrittlichen Glaubenssätze mit ihrer antiquierten Lebensweise zusammen?

Weltweit gibt es knapp über 2 Millionen Täufer, zu denen u.a. die Mennoniten, die Amischen und die Hutterer zählen. Der Großteil lebt in Afrika, den USA und Kanada. Nachdem sie in Kanada und den USA nach dem Ersten Weltkrieg zum Wehrdienst eingezogen werden sollten und die Kinder in öffentliche Schulen gehen mussten, zogen die traditionalistischen Mennoniten weiter nach Mexiko, von dort nach Mittel- und Südamerika, nur 4% leben heute in Europa. Während die weniger traditionellen Mennonitengemeinden in verschiedenen Organisationen verbunden sind und sich in der öffentlichen Wahrnehmung nicht allzu sehr von anderen Freikirchen unterscheiden, grenzen sich die traditionalistischen Mennoniten ( „Altkolonier“ & „Mennoniten alter Ordnung“) bewusst ab. Sie fliehen vor gesellschaftlichen Zwängen. Sie fürchten den Verlust ihrer Identität durch technischen Fortschritt, durch Schulsysteme, durch moderne Lebensweisen, welche sie von Gott entfernen. Wie die Amischen lehnen sie jeglichen technischen Fortschritt ab, übernehmen ihn, wenn überhaupt erst nach genauer Überlegung, ob der Nutzen für die Gemeinschaft den Gefahren überwiegt. Wie Ihre Vorfahren sprechen die traditionellen Mennoniten Plattdietsch und Pennsylvania Deutsch, eine Sprache, die wie aus der Zeit gefallen scheint. In Belize können sie auch heute vom Staat unbehelligt ihren Glauben leben. Nach der Unabhängigkeit von England hat Belize sie auf der Suche nach fähigen Landwirten sogar gezielt angeworben. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft, da ein Großteil der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion von Ihnen erbracht wird.

Weil mich all die verpassten Chancen, Fragen zu stellen ärgern, haben Timm und ich beschlossen, sollte sich jemals wieder eine Gelegenheit ergeben, das Gespräch zu suchen. Genau diese Chance zwingt Timm, als wir auf dem Rückweg von Placencia kurz vor Belmopan auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz sind, zu einer Vollbremsung.

 Im Schatten eines Baumes steht ein Kutschgespann. Das Pferd, den Kopf gesenkt, vertreibt in Zeitlupe lästige Fliegen mit dem Schweif. Auf der überdachten Kutsche sitzen regungslos eine Frau und sieben Kinder, vier Jungen und drei Mädchen, allesamt blond. Die Jungs, ein wenig zerstrubbelt unter dem Strohhut, tragen keine Schuhe an den schmutzigen Füßen, die Mädchen haben ihr Haar zu strengen Zöpfen geflochten. Die Älteste trägt wie die Mutter eine schwarze Haube über dem schnurgeraden Scheitel. Die knöchellangen Kleider der Mutter und der Mädchen haben dieselbe Farbe wie die Hemden der Jungen- rauchgrau. Die Hosen der Jungs, schwarz und staubig, werden gehalten von Hosenträgern, dem stillen Symbol ihrer pazifistischen Haltung: Da Waffen früher traditionell am Gürtel befestigt wurden, tragen Mennoniten aus Protest grundsätzlich keinen solchen.

Wir winken, lächeln, werden aus unbewegten Gesichtern angestarrt, versuchen es noch einmal mit der Kontaktaufnahme. Timm steigt aus dem Auto, geht auf die Kutsche zu, deren Besatzung wachspuppenunbeweglich in seine Richtung blickt. Von der anderen Seite, aus der Werkstatt eines Schweißers tritt ein vollbärtiger Mann, wischt sich die Hände an den Hosen ab, geht lächelnd auf Timm zu, streckt die Hand zum Gruß aus. Ob er wüsste, wo wir sicher übernachten könnten, beginnt Timm die Konversation. Sehr gerne bei Ihrem Gemeindehaus, dort sei es absolut sicher, antwortet der Mann, erklärt uns den Weg, lächelt noch einmal und dreht sich um. Eigentlich wollten wir nur ein bisschen reden. Nun aber sind wir offiziell eingeladen, am Gemeindehaus der traditionellsten Mennoniten überhaupt zu übernachten. Ich bin aufgeregt wie vor einer Prüfung, auf die ich mich nicht vorbereitet habe.

Welcome to Springfield Community!

Drive with caution, children on Road,

Come decently dressed,

 No Sunday Business

begrüßt uns das Ortsschild und sofort rutscht mir das Herz eine Etage tiefer. Was bezeichnen Mennoniten als „anständig gekleidet“? Ein schneller Blick scannt alle Familienmitglieder: Lotta, Paula und ich stecken in Jeansshorts und Tanktops, in Lottas Fall sogar bauchfrei, ich habe blaugelackte Zehen, Timm trägt wie an den meisten Tagen (inzwischen auch im Hauttonus verewigt) ein weißes Unterhemd. Die T-Shirt Aufschriften der Jungs sind ebenfalls nicht mennonitenverträglich: „I want to see the world“ verkündet das eine und „I am the Captain“ das andere.

Alle umziehen! Timm parkt Roger am Rand der engen Schotterstraße und wir durchforsten unsere Schränke. Timm, Carl und Max finden Karohemden und Jeans, Paula ein langes Kleid zum Wollpulli, ich eine Jeans (ohne Löcher) und eine weite langärmlige Bluse. Lotta hat in ihrem Schrank nicht ein einziges Kleidungsstück, das hier als anständig zu bezeichnen wäre, muss aus meinem Schrank Latzhose und Karohemd leihen.

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Weiter geht es durch Bullerbü- Landschaften: Auf den Äckern wenden Männer mit Strohhüten und Vollbart Heu, Kutschen mit Wasserfässern oder frisch geschnittenem Gras holpern an uns vorüber. Auf ordentlich abgezäunten Weiden grasen Kühe, Pferde, Schafe, dazwischen picken Hühner, watscheln Enten und Gänse. In den Schuppen ist das Brennholz gestapelt, Frauen jäten in Gemüsegärten, vor schlichten Holzhäusern flattert die Wäsche im Wind, Neonfarben sucht man hier vergeblich. Wenn etwas leuchtet, dann sind es die Blüten der Bäume und Wildblumen. Der Boden ist schwarz und fruchtbar, Mennoniten suchen sich ihre Siedlungsgebiete nach dem Boden aus. Kein einziger Strommast, kein Telefonkabel, kein Maschinengeratter- wir sind 200 Jahre zurückgereist, in eine Zeit in der es keinen Strom gibt. Die Bewohner der Springfield Community gehören zu den traditionellsten Vertretern ihrer Glaubensgemeinschaft, stellen fast alles in Handarbeit her. Ihre Sägemühle wird, weil den Ochsen so schnell schwindelig wird, von Pferden angetrieben, die Pflanzen in der Gärtnerei gießen sie von Hand, die Äcker pflügen sie mit Ochsen. Ihre Kutschen allerdings haben schon Autoreifen, sind auf VW Achsen gebaut, die Mulden der Schubkarren sind aus Plastik, ebenso die Wassertonnen.

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Wir parken vor dem Gemeindehaus, neben dem sich auch die örtliche Schule befindet.  Schnell hat sich im Dorf herumgesprochen, dass am Gemeindehaus eine deutsche Familie steht, immer mehr Männer kommen, wollen mit uns reden, fragen, wie es ist in Deutschland. Für sie sei es merkwürdig, dass es irgendwo auf der Welt ein Land gibt, in dem alle ihre Sprache sprechen, auch Leute die so ganz anders leben als sie. Die Tatsache, dass wir Deutsch miteinander sprechen können, nimmt ihnen die Scheu, ist der kleinste gemeinsame Nenner, etwas das wir trotz unserer offensichtlichen Unterschiede gemeinsam haben. Wir ziehen hinaus in die Welt, wären ohne moderne Technik völlig aufgeschmissen. Sie hingegen schotten sich ab, wehren sich gegen den Fortschritt. Wir suchen Antworten auf die Fragen des Lebens draußen in der Welt, Ihre Antworten liegen zwischen zwei Buchdeckeln und innerhalb ihrer Gemeinschaft. Für uns ist Neugier eine treibende Kraft, das, was uns lebendig fühlen lässt, unser Motor. Für sie ist Neugier der Feind, der, den es zu unterdrücken gilt. Wir wollen jeden Tag neue Einflüsse und Eindrücke, sie versuchen diesen zu entgehen. Wir wollen Grenzen eliminieren, sie bauen welche auf. Wir fotografieren, dokumentieren, sind weltweit vernetzt, machen die Welt zum Dorf. Sie hingegen machen ihr kleines Dorf zur Welt.

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Ich bin nervös, weiß nicht recht wie ich mein modern sein so plötzlich ablegen soll. Die Reaktionen der Frauen und Kinder, die wenn überhaupt, nur scheu winken, zeigt mir deutlich, dass meine Rolle hier eine ganz andere ist, als die, die ich bisher gewohnt bin. Zu Beginn stehe ich noch inmitten der Gruppe von Männern, merke aber schnell, dass ein Lächeln oder ein offener Blick als unangenehm empfunden wird, ziehe mich zurück und überlasse Timm das Reden. Als wir auf unserer Afrikareise in Islamischen Ländern waren, wusste ich im Voraus, was mich erwartet, konnte mich darauf vorbereiten. Hier allerdings fühle ich mich überrumpelt, ist gefühlt jeder Zentimeter mit Fettnäpfchen gepflastert. Ein zu offener Blick, ein falsches Wort, zu enge, zu kurze Kleidung, unbedecktes Haar, Schmuck, lackierte Nägel, der falsche Spruch auf dem T-Shirt, ein Handy in der Hand, die Kamera auf dem Tisch, der Gürtel in der Hose, Fahrräder, ein Fußball, Musik, Fotos und Bücher, für uns völlig normal, hier im schlimmsten Fall eine Sünde. Die Kinder allerdings, scheint diese Angst nicht zu belasten, sie haben ein viel besseres Gefühl für Ihre Umwelt, sitzen, beobachten und verhalten sich zurückhaltend und goldrichtig. Ich bin furchtbar stolz auf sie- auch das eine Sünde! Mir fällt es sehr schwer, Themen zu finden die nicht anstößig empfunden werden, die nicht als schlechter Einfluss für Ihre Gemeinschaft gewertet werden könnten. Und doch wundert mich die Offenheit der Bewohner. Obwohl sie so sehr versuchen, ihre eigenen kleine Welt vor äußeren Einflüssen zu schützen, laden sie uns ein. Uns, die alles verkörpern was eigentlich gegen ihre Überzeugung steht. Wir geben Führungen durch unser Auto, erklären Ihnen warum wir das tun, was uns dazu bewogen hat, uns auf die Reise zu machen. Die Angst, zu viel von der Welt dort draußen zu verraten, ihnen diese aufzudrängen, legt sich langsam, wir warten, was wir gefragt werden.

Glaubt ihr an Jesus?“ ist jedes Mal eine der ersten Fragen, die wir beantworten müssen. Beim ersten Mal sage ich aus Höflichkeit „ja“, beim zweiten Mal allerdings frage ich mich das selber. Was glaube ich, woran glauben wir? Die Bibel ist für mich eine Sammlung von Gleichnissen, nicht ein Buch in dem ich jemals Orientierung gesucht oder gefunden hätte. In Roger hängt ein Druck von Albrecht Dürers „Betenden Händen“. So lange ich denken kann, begleitet dieses Bild Timm, hat in jeder gemeinsamen Wohnung über unserem Bett gehangen. Für mich waren die gefalteten Hände immer ein Zeichen des Innehaltens, der Dankbarkeit, des „Insichgehens“, nichts was ausschließlich mit Christentum zu tun hat. Ich glaube an das Gute, glaube, dass es durch jeden von uns manifestiert werden kann, nicht nur zwingend durch Superstars wie Jesus. Ich glaube an Liebe, an Verantwortung für den Nächsten, an Gemeinschaft, daran, dass man andere behandeln sollte, wie man selbst gern behandelt werden möchte. All die Dinge, an die ich glaube, findet man als Kern in jeder der Weltreligionen, dafür muss man nicht Christ sein.

Als ich genau dies das nächste Mal auf die Frage, ob ich an Jesus glaube, antworte, ist das alte Mütterchen, das mit mir in Roger steht, erstaunlicherweise zufrieden. Sie denken ja ähnlich, findet sie und drückt mir ein großes Glas eingelegte Mango in den Arm. Ob wir die Kinder auch religiös unterrichten würden, möchte sie wissen. Ja, das würden wir. In Deutschland sei Religion ein Schulfach, wenn auch es alle anderen Weltreligionen mit einbeziehe. „Na ob das so gut ist“, ein bisschen zweifelnd scheint sie mir. Und ob mir das Reisen gefalle. Sie könne sich das schwer vorstellen, da sie ihren Garten zu sehr vermissen würde. Ich erzähle ihr von meinem Garten und dem Gewächshaus das Timm mir aus alten Fenstern gebaut hat, und dass das tatsächlich ein grosser Nachteil sei. Dass  auch ich meinen Garten sehr vermisse, dass es aber in Ordnung wäre für eine gewisse Zeit. Und so verschieden wir auf den ersten Blick erscheinen, bei genauerem Hinsehen finden sich  doch auch einige Parallelen:

Timm und ich glauben an Monogamie (das ist ja durchaus nicht mehr Standard) haben uns sehr früh füreinander entschieden, finden Erfüllung im Familienleben, haben, zumindest für deutsche Verhältnisse, viele Kinder. So leben wie alle anderen, damit haben auch wir unsere Schwierigkeiten. Technischen Verführungen stehen auch wir für unsere Kinder kritisch gegenüber: Sie sind größtenteils ohne Fernseher aufgewachsen, Computerspiele existieren in unserem Haushalt nicht, Lotta war die letzte in ihrer Klasse, die ein eigenes Handy hatte. Paula hat uns eine fünfseitige Abhandlung verfasst, warum sie schon früher eines brauchte (das sie bekommen hat). Der Computer der Kinder wird geteilt und hauptsächlich benutzt, um Hörspiele zu streamen oder Vorlagen zum Abmalen zu suchen. Wir sind äußerst traditionell in manchen Dingen, unkonventionell in anderen. Dem in Deutschland herrschenden Schulsystem stehen wir teilweise kritisch gegenüber, finden dass Werte wie Kameradschaft und Familie nicht genug Beachtung finden. Unsere Kinder haben in den letzten Deutschlandjahren jeden Samstag auf dem Hof helfen müssen, im Garten gearbeitet, beim Schlachten geholfen. Sie sollten wissen, woher das Essen kommt, dass es Arbeit und Geduld erfordert, es herzustellen. Timm hat Zimmermann gelernt, macht viel selbst, wenig in unserem 200 Jahre alten restaurierten Haus ist neu, das meiste zusammengesammelt und recycelt, wir lieben Antikes, unsere Kinder haben traditionelle Namen. Uns treibt oft die Sehnsucht nach einem einfacherem, entschleunigtem Leben und die Tatsache, dass sich Mennoniten für kein Leid der Welt schuldig fühlen müssen, weil sie weder das Klima killen, noch andere durch ihren Konsum ausbeuten oder jemals bekämpft haben, finde ich durchaus beneidenswert.

Kann man aber, das ist eine meiner brennendsten Fragen, eine so strikte Gesellschaftsform leben, ohne sich oder andere zu unterdrücken? Ist hier wirklich alles Friedefreude Eierkuchen, oder steht hinter diesem scheinbar bereitwilligen Gehorsam, dieser unverrückbaren Überzeugung viel persönliches Leid? Wie geht es den Frauen in dieser Gemeinschaft wirklich? Als Johan, ein Mann mit dem Timm sich sehr lange unterhält, uns für den nächsten Tag zum Mittagessen einlädt, kann ich mein Glück kaum fassen! Ich werde tatsächlich eine Familie, auch den weiblichen Teil in einem geschützten Raum treffen, werde die Möglichkeit haben, einen Einblick in ihr Leben zu bekommen.

In dieser Nacht schlafen wir zum ersten Mal auf dieser Reise mit offenen Türen. Wir fühlen uns vollkommen sicher und geborgen, ab und zu prescht eine laternenbeleuchtete Kutsche an uns vorüber. Ich wundere mich, wie die Pferde im Dunkeln so gut sehen können. Von den uns umgebenden Gehöften hören wir die Stimmen der Bewohner, das Lachen und Weinen der Kinder, Grillen zirpen und die Sterne leuchten über unseren Köpfen, ab und zu flackert ein Glühwürmchen vorüber. Um 21 Uhr ist es still im Ort, eine tiefe Ruhe macht sich breit.

Am nächsten Morgen sind wir früh wach, sind angezogen und gekämmt als um 7 Uhr die ersten Kutschen die Kinder vor der Schule absetzen. Andere kommen zu Fuß, haben keine Schultaschen, keine Stifte oder Bücher dabei, tragen nichts außer einer Wasserflasche, manchmal ist diese aus Plastik. Scheu blicken die Kinder zu uns, gehen zügigen Schrittes an uns vorbei, halten Abstand. Unsere Kinder allerdings sind aufgeregt, stehen am Fenster und winken. Die Mädchen tragen alle dasselbe Kleidermodell, in verschiedenen Farben und Größen: Grün, dunkelblau, lila, grau, weinrot (hier heißt diese Farbe sicher anders) und braun. Die ordentlich gekämmten Haaren bedeckt eine schwarze Kappe, die am Kinn gebunden ist und mich an Nonnentracht denken lässt. Die Jungen setzen ihre Strohhüte ab, legen sie in eine Art Tellerregal vor dem Gemeindehaus ab. In voneinander getrennten Gruppen betreten Jungen und Mädchen den Klassenraum, in dem sie zwar zusammen, aber nach Geschlecht getrennt, unterrichtet werden. Kein Mucks ist erlaubt, flüstern die Kinder, darf der Lehrer züchtigen. Die Unterrichtssprache ist Deutsch, Lehrbuch hauptsächlich die Bibel und andere von eigenen Verlagen herausgebrachte Bücher. Kurz überlege ich, ob unsere Verbindung zu Deutschland nicht nützlich für die Gemeinschaft sein könnte, ob ich nicht Bücher schicken könnte, verwerfe diesen aber sofort wieder.

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(Foto: https://svey.wordpress.com/gallerie/belize-mennoniten-kleid)

Mädchen gehen im Allgemeinen bis zum 13. Lebensjahr zur Schule, Jungen bis sie 15 sind. Das Schulamt kommt auch hier zur Kontrolle, ist aber zufrieden mit dem Lernstand der Kinder, hören wir. Wenn Erntezeit ist, dann fällt die Schule aus, dann wird jede helfende Hand gebraucht. Am Sonntag, dem einzigen freien Tag treffen sich die Kinder und Jugendlichen mit ihren Freunden oder zum gemeinsamen Singen.

Nichts von dem was wir unseren Kindern vermitteln wollen, ist für die Kinder hier von Belang: Unsere Kinder sollen möglichst viele Sprachen sprechen können, wir möchten, dass sie fähig sind, in der Fremde zu kommunizieren. Wir wünschen uns für sie, dass die Welt ihr Zuhause wird, sie ihren Horizont ins Unendliche ausdehnen. Wir hoffen, dass sie lernen, sich selbst zu helfen, eigene Ideen vom Leben entwickeln, auf ihre innere Stimme vertrauen. Damit sie das können, sollen sie möglichst umfassend informiert sein, wir wollen ihnen nichts verheimlichen oder vorenthalten. Sie sollen beweglich sein, mit festem Schritt durch die Welt gehen, alles in sich aufsaugen, aus dem was sie sehen, ihr eigenes Bild formen. Wir möchten, dass sie kritisch sind, dass sie nicht dem folgen, was Ihnen eingetrichtert wird, dass sie auch mal gegen den Strom schwimmen, wenn es sein muss. Wir wünschen uns für sie, dass sie für das einstehen, für das sie brennen, den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Wir glauben, dass sie als fertige Menschen auf die Welt gekommen sind, dass es nicht darum geht, sie nach unseren Wünschen zu formen, so schwierig das auch manchmal einzusehen ist. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, sie zu begleiten, wenn sie herausfinden, wer in ihnen schlummert. Aber auch die Sorgen der Mennoniten beschäftigen uns. Wie halten wir unsere Kinder von schädlichen Einflüssen fern? Vieles was uns in der heutigen Gesellschaft umgibt, finden wir schwierig: Exzessiver Medienkonsum, Entfremdung von sich selber und der Familie. Werte, die hauptsächlich „instagramable“ sein müssen, die Kinder entgleiten ihren Familien immer früher und schneller, verfangen sich in medialen Parallelwelten. Zugang von Elternseite ist oft nur möglich, wenn wir mithalten und auf dem sich immer schneller drehenden Karussell mitfahren. Es ist nicht mehr Lebenserfahrung und Weisheit, die zählt. Es sind nicht mehr die Alten unserer Gesellschaft, deren Rat wir erfragen, der gewachsen ist aus Erfahrung. Wir tanken die Werte von Influencern, die genauso wenig Checkung haben wie man selber, das aber hinter cooleren Sonnenbrillen und Outfits verstecken. Schule, Eltern, Gesellschaft, alle zerren in verschiedene Richtungen, jeder hat eine andere Auffassung. In einer Gemeinschaft wie den Mennoniten ist wohl von vornherein klar, welche Werte das sind, man muss sich nicht immer wieder herumstreiten, sich nicht in Endlosschleife hinterfragen, eine der härtesten Herausforderungen, denen Timm und ich uns immer wieder stellen müssen.

Und doch wird mir mulmig, wenn ich den Kindern beim Pausenspiel zusehe. Noch nie habe ich so stille und verhaltene Kinder gesehen. Ihnen fehlt jeder Übermut, jedes Zügellose, jede Freude. Auf ein für mich unerkennbares Zeichen gehen alle Kinder nach Pause und Händewaschen zurück in den Klassenraum, es ertönt keine Glocke, kein Klingeln. Wie in einem Ameisenbau scheinen sich hier alle aufeinander abgestimmt zu bewegen. Als ein paar Meter von uns entfernt eine Kutsche samt Pferd umkippt, lassen die Männer, die gerade neue Zaunpfosten und Anbindebalken am Gemeindehaus eingegraben, ihre Schaufeln fallen und eilen zur Hilfe. Kein Geschrei, kein lautes Wort. Jeder weiß, was zu tun ist, die Handgriffe sitzen. Nicht einmal das Pferd, das bewegungsunfähig auf der Seite liegt, scheint panisch, lässt sich in aller Seelenruhe abspannen, wartet mit dem Aufstehen, bis die Kutsche zur Seite gerollt wurde. Während zwei Männer die Beine des Pferdes abtasten, kontrollieren andere die Kutsche, ein weiterer legt den Arm um die Schulter des noch minderjährigen Kutschers. Es ist, als hätte jemand in einem in Zeitlupe laufenden Schwarzweißfilm den Ton abgeschaltet. Dieses Gefühl, persönlich auf einem anderen Zeitstrahl unterwegs zu sein, einem, auf dem das Leben deutlich schneller läuft, wird mich den ganzen Tag nicht mehr verlassen. Um 11 Uhr ist die Schule zu Ende, um 12 Uhr gibt es Mittagessen. Auch wir packen zusammen, um pünktlich bei Familie Fehr zu sein.

Am Eingang eines grauen Holzhauses stehen wie die Orgelpfeifen aufgereiht Johann, seine Frau Greta, und neun der vierzehn Kinder. All meine Ängste, wie ich einer Mennonitenfrau gegenüber treten soll, sind bei einem Blick in Gretas warme braune Augen, die meinem Blick nicht, wie so viele andere, ausweichen, sofort verschwunden. Willkommen sagt Johan, führt uns zu allererst zu Greta, stellt sie uns vor. „Wir freuen uns, dass ihr gekommen seid“, sind ihre Worte, die sie mit einem festen Händedruck besiegelt. „Kommt doch herein!“

Aus dem Wohnbereich und der dahinterliegenden Küche duftet es köstlich. Während die großen Mädchen das Mittagessen vorbereiten, setzten wir uns auf die Veranda, wir erzählen ein wenig aus unserem Leben, Johan und Greta aus dem ihren. Sie leben hier seit 22 Jahren, mit 40 anderen Familien. Das Land habe die Gemeinschaft damals einem Deutschen abgekauft, hat dafür eine Firma gegründet, erzählt Greta. Gretas Familie stammt ursprünglich aus Kanada, von dort sind sie aufgebrochen, weil die Regierung die Kinder in die Schule stecken wollte, sie sind dann über Mexiko nach Belize gekommen. Johans Vater, der ebenfalls Johan heißt, kommt auch aus Mexiko, aus Chihuahua. Aus Belize wollen sie nicht weiterziehen, hier geht es Ihnen gut, hier haben sie gute Böden und die Freiheiten, die Ihre Gemeinschaft braucht, um bestehen zu können. Zwei Mal in der Woche gibt es hier in der Gemeinde einen Markt, auf dem sie ihre Produkte verkaufen. Mit den Menschen aus der Umgebung versteht man sich gut, respektiert einander. Manche sagen, Mennoniten würden stinken, das störe sie aber nicht. Die Gemeinschaft folgt strengen Regeln, an die sich alle halten müssen. Gibt es Probleme, spricht man darüber. Wenn der die Regeln Missachtende nicht einsichtig ist, muss er im schlimmsten Fall gehen. „Kommt das oft vor?“, möchte ich wissen. „Nein, sehr selten manchmal gehen junge Leute, weil sie hinaus in die Welt wollen, manche kommen wieder, andere nicht.“ Ob jeder bei Ihnen aufgenommen werden könne, auch jemand wie ich, der keinen mennonitischen Hintergrund habe, möchte ich wissen. Natürlich, es wäre aber sicher nicht einfach für mich, mich an das Leben hier zu gewöhnen. Wer es aber ernst meine, der könne es schaffen.

Belize: Mennonites market, Photo: Thomas Alboth

Belize: Mennonites market, Photo: Thomas Alboth/ https://hefamilywithoutborders.com

Wir wollen wissen, was die Regeln sind, an die man sich halten müsse. „Alkohol und Rauchen sind bei uns verboten, man muss sehr hart arbeiten können, weil wir keinerlei Maschinen benutzen.“ Der Opa wohnt an einem Fluss, dort gibt es ein Wasserrad, welches bei vielem helfen kann. In anderen Communities sei das schon anders, die benutzen auch Traktoren, rauchen und trinken, hier aber sei das nicht so. Man dürfe die Arbeit nicht scheuen, für viele sei das nichts. Auch die Kinder müssten helfen, jeden Tag nach dem Mittagessen. Besonders in der Erntezeit sei es hart, dann aber falle die Schule aus. Da es keine Kühlschränke gebe, würde jede Hilfe beim Haltbarmachen gebraucht.

Belize: Mennonites market, Photo: Thomas Alboth

Belize: Mennonites market, Photo: Thomas Alboth/https://hefamilywithoutborders.com

Johans Familie bewirtschaftet 12 Hektar Land, besitzt 3 Pferde, ein Schwein, dass sie mit Küchenabfällen mästen, Hühner, Katzen, Milchkühe und Bienen. Die Mädchen lernen, wenn sie mit 13 aus der Schule kommen, alles was eine Frau hier können muss, vom Nähen, zum Kochen, waschen, Kinder und Garten versorgen bis zur Feldarbeit. Die Söhne, die mit 15 von der Schule abgehen, lernen erst einmal einen Beruf, werden Sattler, Tischler, Farmer bevor sie, wenn sie im heiratsfähigen Alter sind, ein Mädchen suchen und eine Familie gründen. Die Gemeinschaft stellt ihnen dann ein Stück Land zur Verfügung, hilft beim Hausbau. Ob es schwierig sei, hier im Ort ein Mädchen zu finden, fragt Timm den ältesten Sohn Menno. „Nein gar nicht, es gibt ja genügend hier.“ Auch ein Vorteil ihrer Lebensweise. Man muss sich nicht erst auf gemeinsame Werte abtasten, kennt sich seit Kindertagen, kauft nicht die Katze im Sack.

Ob sie alles haben, was sie brauchen, ob Ihnen nicht manchmal etwas fehle, frage ich. „Zum Einkaufen fahren wir schon manchmal, aber nur für das Allernötigste, für das Meiste können wir selber sorgen“.

Und viel brauchen sie nicht. Kleider werden einmal genäht und weitervererbt, was kaputt geht, wird repariert, teure Technik spielt keine Rolle, gegessen wird, was der Garten und die Landwirtschaft hergeben. Da es keine strengen Winter gibt, es nie kalt ist, kann man immer etwas ernten. Die Kinder haben keine teuren Spielzeuge, nicht einmal Fahrräder. Geburtstage werden nicht gefeiert, man backt höchstens einen Kuchen, auch Weihnachten werden keine Geschenke gemacht. Niemand hier hat kostspielige Hobbys, in der Freizeit trifft man sich oder singt gemeinsam. „Wir haben keine besonderen Bedürfnisse, weil wir nicht ständig damit konfrontiert werden, mehr haben zu müssen“, sagt mir Greta. Und doch entgehen mir nicht die glänzenden Augen der Kinder, als sie den Fußball und die Fahrräder auf dem Dach sehen. Ob diese für sie aber etwas mit ihrer Welt zu tun haben, oder ob die Fahrräder für sie einen ähnlichen Stellenwert haben, wie für Carl und Max ein Raumschiff, dass sie zwar rasend spannend finden, aber nicht besitzen wollen, weiß ich nicht.

„Lasst uns Essen gehen!“ Im Entenmarsch betreten wir einen großen hellen Wohnraum. Die Fenster bestehen aus Fliegengitter und Plastikplane, nicht aus Glas. In der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch, an den Wänden entlang Stühle aus Plastik und Holz, zwei Schaukelstühle. Auf dem Fußboden pickt ein Küken die Krümel auf, läuft piepsend im Zickzack, scheint völlig unbeeindruckt von der steifen Stille, die uns umgibt. An den Wänden hängt nicht ein einziges Bild, keine Vorhänge, keine Fotografien, keine Bücher. Nichts, was als Schmuck oder Dekoration verstanden werden könnte. Auf einem Regalbrett liegen ein paar Papiere, ein Monopoly-Spiel und andere Spielkarten. Aus der offenen Küche duftet es herrlich nach Essen und frisch getrockneter Petersilie, die in einem doppelwandigen mit Wasser gefülltem Backblech auf dem Holzofen trocknet. Die großen Mädchen decken auf, stellen die Schüsseln mit dem dampfenden Essen auf den Tisch. Es gibt Reis, Spinat mit bröseligem, fetaähnlichem Käse, ein auf Kartoffeln geröstetes Hähnchen, rote Bohnen, eine Flasche Ketchup, einen großen Krug Wasser, dazu drei Gläser. Nach einem kurzen Tischgebet, das Johan spricht, nimmt sich der Opa, dann Johan und die ältesten Söhne, dann werden wir als Gäste aufgefordert, uns zu nehmen. Nur mühsam und leider nicht unauffällig kann ich Max davon abhalten, sich das größte Stück Hähnchen zu nehmen. Die kleinen Kinder und der Opa sitzen zum Essen am Tisch, alle anderen balancieren ihre Teller auf dem Schoss, sitzen auf den an der Wand aufgereihten Stühlen. Die Kinder sind still, ähnlich zurückhaltend wie die Kinder auf dem Schulhof. Nur Lucy, die 11 jährige Tochter mit Down Syndrom versprüht kindlichen Übermut, wird von allen geknuddelt und geherzt. Mit ihr darf man lachen, sie hat die Erlaubnis allen Tieren Namen zu geben, ihren Willen zu äußern, albern zu sein. Sie scheint die lebendige Erlaubnis, Glück und Liebe zu zeigen, ist das pulsierende Herz der Familie. Während des Essens sprechen wir über unser Leben in Deutschland, über Afrika, über das Leben in der Gemeinschaft und meine anfängliche Anspannung weicht schnell. Ich hatte Angst, das Falsche zu sagen, Ideen und Einflüsse in die Familie zu bringen, die sie mir übel nehmen würden. Die Männer aber sind sehr interessiert, stellen viele Fragen. Nach dem Essen wischt sich der Opa die Hände an der Hose ab, holt aus der Brusttasche seinen größten Schatz: einen alten Luftpostbrief seines Freundes Helmut Schneider. Der hatte ihn vor vielen Jahren einmal hier besucht, seit langem aber schreiben sie sich nicht mehr. Den Brief allerdings trägt er immer bei sich. Johan holt eine Karte, wir sollen ihnen zeigen wo in Deutschland Herr Schneider wohnt, wo wir wohnen. Helmuts Wohnort können wir nicht finden, an der Postleitzahl erkennen wir aber, dass es in Süddeutschland sein muss.

Ein alter Brief als größter persönlicher Schatz in einer Gemeinschaft, die ganz aus sich selber lebt, berührt mich zutiefst. Noch viel mehr, als Greta mich bei unserem Abschied fragt, ob wir uns nicht auch einmal schreiben wollen. Eine Brieffreundin aus einer Amish- oder Mennonitengemeinschaft steht seit Kanada auf meiner Wunschliste ganz oben. Monatelang habe ich überlegt, wie ich es angehen kann, wie ich Kontakt aufnehmen kann zu einer Frau, die den Kontakt zu mir vielleicht gar nicht möchte. Und nun möchte mir Greta diesen Herzenswunsch erfüllen, den ich mich niemals getraut hätte selbst zu formulieren. Wieder einmal bin ich überrascht, wie scheinbar von selbst die guten Dinge zu uns gelangen, wenn wir den Wunsch nur deutlich formulieren. Die Möglichkeit, alle meine Fragen, auf die ich jetzt noch ekeine Antworten habe, eines Tages loszuwerden, ohne die Gefahr, jemandem zu Nahe zu treten freut mich wahnsinnig!

(Anm.: Da es Mennoniten alter Ordnung nicht mögen, fotografiert zu werden, habe ich keine Fotos von Menschen gemacht. Die hier veröffentlichten Fotos stammen nicht von mir, sondern sind anderen Blogs entliehen. Die Quelle befindet sich unter den jeweiligen Fotos)

Placencia

Belize ist klein und überschaubar, selbes gilt für die Hauptstadt Belmopan. Zwar ist Belize City mit 63.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes, nachdem sie aber 1961 von einem Hurrikan zu 75% zerstört wurde, beschloss man, eine neue Hauptstadt an einem sichereren Ort zu errichten. 10 Jahre später wurde der Regierungssitz nach Belmopan (der Name ist zusammengesetzt aus den Namen der Flüsse „Belize“ und „Mopan“ ) verlegt. Ursprünglich für 40.000 Einwohner geplant, bringt es die Stadt aufgrund des heißen und schwülen Klimas heute erst auf 23.000 Einwohner. Irgendwo lese ich, dass die Trockenzeit nur 2 Monaten dauert, von Mai bis Februar regnet es. Wieder einmal Ausnahmewetter- dieses Mal im positiven Sinn. Belmopan versprüht trostlose Kleinstadtatmosphäre, nicht viel, an dem unser zugegebenermaßen verwöhntes Auge hängen bleibt: Auf dem Hauptkreisel steht ein Uhrenturm, der zur vollen Stunde die Klänge von Big Ben abspielt und auch hier ist jeder einzelne „Supermarkt“ in chinesischer Hand. Warum das so ist, möchte Timm von Mama Han, die in einem Supermarkt mit angeschlossener Tankstelle das Zepter schwingt, wissen. „Weil die Chinesen dorthin gehen, wo die Leute faul sind“, ist ihre Antwort. Bereits auf unserer Afrikareise ist uns aufgefallen, dass an den entlegensten Stellen in Sambia plötzlich Straßen von chinesischen Bauunternehmen gebaut werden, Supermärkte chinesisch geführt werden und sogar die Straßenschilder chinesische Schriftzeichen tragen. Wo der Westen weicht, übernimmt Fernost. Immerhin gibt es in ganz Belize nicht einen einzigen McDonalds.

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Über dem Hummingbird Highway, eine der schönsten Straßen Mittelamerikas fahren wir Richtung Dangria. Die Straße windet sich durch Obstplantagen, Microdörfer, durch dichten Dschungel, über dem Nebel hängt. An den Straßenrändern immer wieder Transparente, die für ein „Ja“ zum Referendum des seit langem schwelendes Grezkonfliktes zwischen Belize und Guatemala werben. Entscheiden sollen die Belizer über die Frage, ob der Streitfall vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag entschieden werden soll. Guatemala beansprucht knapp die Hälfte des Territoriums von Belize, obwohl es 1981 Belizes Unabhängigkeit von Großbritannien anerkannte. Im damaligen Vertrag verpflichtete sich England, beim Bau einer Straße zwischen Guatemala-Stadt und der karibischen Küste zu helfen. Dies geschah allerdings nicht und daher erklärte Guatemala den Grenzvertrag für nichtig. Während die Guatemalteken schon 2018 mit 95% für eine Verhandlung vor IGH stimmten, steht in Belize diese Abstimmung noch aus. In der Zwischenzeit lernen guatemaltekische Schulkinder noch, dass ein Großteil Belizes zu Guatemala gehört.

Noch immer hadern wir mit der Entscheidung, nicht auf die Ceyes gefahren zu sein, Lotta flunscht über die ausgebliebene Inselpause- und da lesen wir im Lonely Planet von Placencia. Von der Tourismusindustrie wird diese 25km lange Halbinsel als „der einzige Ceye auf den man fahren kann“ beworben. Karibikflair, ohne Roger stehen lassen zu müssen, ohne uns an Hotels doof zu bezahlen, ohne packen zu müssen mit der Möglichkeit jede Sekunde weiterzuziehen, kling perfekt.

In den frühen 2000ern wurde Placencia von einem Hurrikan verwüstet, jetzt allerdings ist davon nichts mehr zu sehen, im Gegenteil. Im Nordteil der „Insel“ reihen imposante Villen und Hotelanlagen in verschiedensten Baustadien die einzige Straße. Jedes zweite Grundstück ist zu verkaufen, sie alle haben Wasserblick- im Osten der Hauptstraße  glitzert das karibische Meer, im Westen das Wasser der Placencia-Lagune. Fast ist mir nach Umdrehen: Ich hatte ein Fischerdörfchen erwartet, nicht nordamerikanische und europäische Touristen und Expats die mit Golfcarts zum Einkaufen fahren.

Während wir bei Schwierigkeiten und unwirtlichen Orten ziemliches Durchhaltevermögen an den Tag legen, einiges über uns ergehen lassen können, schlägt uns das kleinste Zeichen von Massentourismus sofort in die Flucht. Zu Unrecht! Es hat einen Grund, warum bestimmte Orte so beliebt sind. Oft sind sie besonders schön. Dieser Ideologienkampf zwischen Globetrottern und Pauschaltouristen, die snobistische Grundhaltung, mit der viele Langzeitreisende oft auf Kurzzeittouristen hinabblicken, ist etwas, dass ich mir in Zukunft dringend abgewöhnen möchte. Sie führt zu nichts, ist intolerant und nicht eine Haltung, die ich vor mir selber vertreten kann. Auch dieses Mal hätte mich mein „Massentourismusfluchtinstinkt“ fast von einem der schönsten Plätze der karibischen Küste ferngehalten. Zum Glück glaubt Timm nicht an Umdrehen, bevor das Ziel erreicht ist, und das Ziel ist Placencia Village am südlichsten Ende der Halbinsel. Placencia ist alles und noch viel mehr, was ich mir von einem idyllischen Fischerort erträumt habe. Zwar sind die Spuren des Tourismus in Form von Souvenirshops, Restaurants und lärmenden Bars nicht auszublenden, stören tun sie aber nicht wirklich.

Was allerdings enorm stört, und was ich nicht mehr ausblenden kann, sind die optischen Spuren, die das ständige Schwitzen an mir hinterlassen hat. Mein ganzer Körper ist übersät von juckenden Pusteln und erhabenen Striemen, die mich nachts nicht mehr schlafen lassen. Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Ich fühle mich ekelhaft. Auch der neue Name, den die Kinder mir gegeben haben, trägt nicht gerade zu meinem Wohlbefinden bei: Butterbirne. Seit Tulum habe ich mir, inspiriert von Camille, die die schönsten Haare des Planeten hat, nicht mehr die Haare gewaschen. No-Poo, kurz für „No Shampoo“, hat, wie fast alle Strömungen in den USA ihren Ursprung. Camille wäscht sich seit 18 Monaten die Haare nur noch mit Wasser, benutzt kein Shampoo, nur ganz selten eine Spülung. Der Übergang, hatte sie mich gewarnt, ist fürchterlich. Nach 8 Wochen allerdings sei das Schlimmste überstanden. Dann hätten sich Haare und Kopfhaut auf die neue Situation eingestellt und man ist ein für alle mal unabhängig vom Shampoo. Meine Kosmetiktasche ist seit einigen Jahren immer übersichtlicher geworden. Als ich allergiebedingt für ein paar Monate auf nahezu jede Kosmetik verzichten musste, habe ich festgestellt, dass ich den ganzen Schiet tatsächlich nicht brauche, dass er nur Platz wegnimmt und Geld kostet, beides Güter, die man sinnvoller nutzen kann. Der schweiß- und fetttriefenden, pustelübersäten Frau, die mich heute aus dem Spiegel anblickt, möchte ich jedoch nicht allzu oft begegnen. Tapfer stecke ich mir eine frische Hibiskusblüte in den fettigen Dutt. Weiter geht‘s, nur nicht schlapp machen!

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In Placencia holen wir nun all das nach, was wir uns für die Ceyes vorgenommen haben: Timm und die Mädchen gehen tauchen, das erste Mal auf 18m Tiefe, schwimmen mit Wasserschildkröten, Mantarochen und Haien. Weil auch die Jungen diese Unterwasserwelt sehen sollen, machen wir einen weiteren Ausflug, fahren zusammen mit einer brasilianischen Familie mit der wir uns schon seit langem schreiben, auf eine der Riffinseln, schnorcheln zwischen unwirklich bunten Fischen und Korallen, Rochen gleiten wie fliegend durchs Wasser, eine uralte Wasserschildkröte blickt uns aus weisen Augen entgegen, Riffhaie, die von allen Seiten unter uns durchtauchen, kitzeln mit ihren Rückenflossen unsere Bäuche. Die Zeit steht still, unter Wasser gibt es keine Hektik, kein Geräusch stört, nichts und niemand drängt. Am Abend feiern wir diesen gelungenen Tag im Restaurant, Max hat einen Sonnenstich und kotzt auf den Tisch…

In Sekunden bin ich hellwach, setze mich im Bett auf. Draußen hallen Schreie, jemand rennt über den Kies des Parkplatzes, auf dem wir stehen. Weitere Schreie, Glas splittert, ein dumpfer Knall. Im Halbdunkel sehe ich zu Rogers linken Seite die Umrisse von einer Gruppe junger Männer. Sie werfen Steine und Flaschen auf eine Gruppe, die sich zu unserer rechten Seite befindet, Roger steht mittendrin. Das erste Mal auf dieser Reise habe ich richtig Angst, wecke Timm. Auch die Kinder reiben verschlafen die Augen. „Weg von den Fenstern, kein Licht an“, ist das Einzige, was mir einfällt. Plötzlich fällt ein Schuss, Panik, die Gruppen rennen in alle Richtungen, Schreie, Flüche, wir kauern uns auf den Boden, so weit wie möglich zwischen die Schränke und weg von den dünnen Außenwänden. Warten. Absolute Stille, von weitem etwas Gepöbel. Nach einer gefühlten Ewigkeit wagen Timm und ich einen Blick aus dem Fenster, sehen nur eine Gruppe aufgebrachter junger Männer in einiger Entfernung, ansonsten Ruhe. „Wow, dann mal wieder ab ins Bett“, Timm hat sich schnell wieder gefasst. Ich kann noch lange nicht schlafen. Mein Ausschlag juckt, ich kühle ihn mit kalten Lappen, creme mit Kortison, surfe im Internet auf der Suche nach einer Diagnose, die ich finde: Krätze! Alles, die Form der Pusteln und Striemen, das nächtlich besonders fürchterliche Jucken, der stetig schlimmer werdende, gegen Antihistamine und Kortison scheinbar immune Ausschlag, alles spricht dafür. Wir müssen raus aus Roger, in Quarantäne, müssen die ganze Familie behandeln, scheiße scheiße, scheiße… Timm, wie immer lösungsorientiert hat damit scheinbar kein Problem. „Dann buchen wir uns halt eine Woche in einem Hotel ein, Du wirst gesund und wir fahren dann weiter“. Auch die Kinderaugen leuchten bei der Aussicht auf Resortpause.   

Am nächsten Tag lassen wir mit gemischten Gefühlen die Kinder alleine im Truck, fahren mit dem Taxi zum Arzt. Der diagnostiziert eine extreme allergische Reaktion, verpasst mir eine Spritze in den Hintern, die sich anfühlt wie ein Pferdetritt, verschreibt Creme und Tabletten, verbietet bis auf weiteres Kokosnüsse, Ananas, Limetten und Fisch.„Und?“, alle Kinder stehen erwartungsvoll an der Tür, als wir zurückkommen. „Zum Glück nur eine Allergie“ strahle ich. „Scheiße“, blaffen die Kinder und knallen mit der Tür.

Actun Tunichil Muknal (ATM) Höhlen

Auf halber Strecke zur Actun Tunichil Muknal (kurz ATM) Höhle geht uns nach Tank- und Einkaufsstopp wieder das Tageslicht zu Neige. Wir haben uns noch nicht daran gewöhnt, dass es hier in Belize um kurz nach 18 Uhr zappenduster ist. Am Highway sehen wir im späten Nachmittagslicht ein Schild, das in 2 Meilen das Dream Valley Resort ankündigt und wir beschließen, unser Glück zu versuchen. Normalerweise campen hier keine Overlander, für uns aber machen sie eine Ausnahme und wir übernachten mitten im Dschungel im Garten eines Sterne Resorts, einem Platz, an dem man sonst seine Flitterwochen verbringt oder sehr wichtige Geschäftskontakte beeindruckt. Als wir für das Campen bezahlen wollen, lächelt die Managerin: „Macht Euch keine Gedanken, herzlich willkommen und ich wünsche einen schönen Aufenthalt“. Es ist ein Aufenthalt im Himmel, bevor wir am nächsten Tag in die Hölle absteigen.

Die Maya glaubten an eine Dreiteilung der Welt in Himmel, Erde und Unterwelt. Während Frauen, die im Kindbett starben, Selbstmörder und Geopferte direkt in den Himmel aufstiegen, mussten alle anderen sich diese Erlösung erst verdienen. In der Unterwelt wurden ihnen Prüfungen auferlegt, es galt Kämpfe zu bestehen und Leiden  zu erdulden. Um die blutrünstigen Götter gnädig zu stimmen, waren Opfergaben in Form von Nahrungsmitteln, Schätzen, Blut und Menschen unerlässlich. Cenoten und Höhleneingänge waren der Eingang in diese Welt des Schreckens.

Bei vielen Themen ist unsere Familie in zwei Lager geteilt und im besten Falle ergänzen wir uns. Wir haben drei eher ruhige Gemüter, drei Aufbrauser, drei, denen Unordnung wenig ausmacht, drei die gern aufräumen, drei Frühaufsteher, drei Langschläfer. Was die Liebe zu Höhlen angeht, befinden wir uns allerdings im Ungleichgewicht: Fünf von uns müssen jede Höhle erkunden, die unseren Weg kreuzt, einer hat nicht das geringste Bedürfnis dazu. In dunklen engen Orten bekomme ich Beklemmungen, im schlimmsten Falle Panik. Der Gedanke eine fünf Kilometer langes, komplett dunkles und mit Wasser gefülltes Höhlensystem zu durchschwimmen und zu erklettern, an dessen Ende sich eine Opferstätte inclusive Skeletten befindet, ist daher so ziemlich meine Definition von „Albtraumtag“. Ich komme nur mit, weil ich den Gedanken, meine Kinder der Unterwelt auszuliefern ohne aufpassen zu können, noch weniger ertragen kann. Irgendwo haben wir gehört oder gelesen, dass man mindestens 10 Jahre alt und ein guter Schwimmer sein muss, um die ATM Höhle betreten zu dürfen. Beides trifft für Max nicht zu und so wird er kurzerhand zu Carls 10-jährigem Zwilling ernannt und findet seinen Platz zwischen Lotta und Timm, die ihn, sollte das Schwimmen zu anstrengend werden, abschleppen.

Die Höhle, die erst zu Beginn der 1990 Jahre entdeckt wurde, war eine für die Maya Zivilisation wichtige Opferstätte. Man vermutet, dass diese Opfer hauptsächlich dem Regengott dargebracht wurden, verstärkt in den Jahren 800-1000, woraufhin man auf eine Dürre in dieser Zeit schließt. In der Hauptkammer des Höhlensystems hat man die Reste von 14 Skeletten gefunden, darunter sieben Kinder unter fünf Jahren, sowie 1400 Tontöpfe. Aufgrund der Art und Weise wie die Skelette liegen, können Forscher mit Sicherheit sagen, dass es sich um Opferungen und nicht um Begräbnisse handelt. Schon seit der Entdeckung der Höhle wird zwischen Touranbietern und Archäologen erbittert gestritten. Während der stolze Eintrittspreis von $US95 pro Person eine beachtliche Einkommensquelle ist, fürchten die Wissenschaftler um den Erhalt der unter dem Tourismus leidenden Artefakte. Seit ein Tourist eine Kamera auf einen der Schädel hat fallen lassen und dieser daraufhin zerbrochen ist, sind Kameras hier verboten. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Höhlen nur noch eingeschränkt zu besuchen sind. Die Fotos zu diesem Blogeintrag stammen daher alle nicht von mir, sondern sind aus dem Internet zusammengesammelt (hauptsächlich von der Website unseres Touranbieters PaczTours).

„Zieht feste Schuhe an“, wie jedes Mal, wenn wir uns abseits von Strand und geteerten Straßen befinden, besteht Timm auf Blundstones.

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Lotta und ich, die besser in Sneakern laufen können finden das jedes Mal lächerlich- der Tourguide anscheinend auch, denn er kann sich beim Blick auf unsere Schuhe ein Grinsen nicht verkneifen: „Mit den Schuhen werdet ihr viel Spaß haben.“ Was er damit meint, wissen wir spätestens als wir mit Helmen und Kopflampen ausgerüstet am Ufer eines Flusses ankommen, über den ein Seil gespannt ist. Hier müssen wir durch. Max kann schon nach 2 Metern nicht mehr stehen, wir schwimmen, hangeln uns am Seil entlang, entsteigen dem Fluss triefend auf der anderen Seite. Erst jetzt fällt mir auf, dass das Pärchen, das ebenfalls zu unserer Gruppe gehört, Trekkingsandalen und leicht trocknende Synthetikfasern trägt. Wir hingegen stecken von Kopf bis Fuß in Baumwolle, unsere Füße stehen in bis zum Knöchel mit Wasser gefüllten Lederschuhen. Das verspricht vergnügliche drei Stunden! Den Fluss durchqueren wir noch zwei Mal und als wir nach einer dreißigminütigen Wanderung durch den Dschungel am Eingang der Höhle stehen, sind die randvollen Schuhe mein allerkleinstes Problem. Ich kann mich schwer gegen die Bilder wehren, die mir karavanengleich durch den Kopf wandern: Mayas, die an schweren Tontöpfen tragen, gefesselte Sklaven und weinende Kinder durch die Dunkelheit schleifen, um sie am Ende eines kalten, nassen Weges zu opfern.

Erstaunlicherweise allerdings, halten mich diese beklemmenden Gedanken nicht lange in ihrem Bann und nach kurzer Zeit übernehmen Abenteuerlust und Staunen über diese geheimnisvolle Welt das Kommando. Wir klettern durch enge Spalten, schwimmen und waten durch unterirdische Flüsse, bestaunen die kathedralenartigen Stalaktiten und Stalagmitenformationen.

Ich verliere jedes Gefühl für Raum und Zeit und als wir nach ungefähr eineinhalb Stunden an der Hauptkammer ankommen und wir die Schuhe ausziehen müssen und Sockfuß weiterlaufen, um die wertvollen Artefakte nicht zu zerstören, kann ich nicht glauben, dass diese Fundstücke seit mehr als tausend Jahren hier liegen, so tadellos erhalten sind sie.

Zunächst glaube ich tatsächlich an eine Touristenverarschung. Dann bin ich ergriffen. Ergriffen von der Unglaublichkeit das hier sehen zu können und gleichzeitig von dem Wunsch, das für alle Zeiten konservieren zu wollen, jeglichen Zugang für blind über die Knochen der Opferkinder stolpernden Touristen ab sofort zu verbieten. Der Rückweg ist beschwerlich, die Kinder frieren, haben Hunger, schwächeln ein wenig. Der Gedanke allerdings eine der unglaublichsten und abenteuerlichsten Höhlentouren unternommen zu haben, lässt sie mit klappernden Zähnen und knurrenden Mägen fröhlich weiter plappern, beschäftigt sie noch tagelang. Wieder wird ein Beruf auf die „Wasichmalwerdenwill-Liste“ gesetzt: Höhlenforscher!